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Mode

Kleidung mit Therapieeffekt

Scheibenbauer entwickelt seine Saint-Martins- Diplomkollektion ständig weiter.
Scheibenbauer entwickelt seine Saint-Martins- Diplomkollektion ständig weiter.(c) Scheibenbauer
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Der junge Österreicher René Scheibenbauer, Absolvent der Saint-Martins-Kunstuniversität, entwirft in London inklusive Mode mit hohem ästhetischen Anspruch. Über das Agieren des British Fashion Council in der Krise ist er eher enttäuscht.

Wegen der Vielseitigkeit und der Vielfalt der Menschen habe es ihn nach London gezogen, sagt der junge Österreicher René Scheibenbauer. 2014 kam er nach Abschluss der Modeschule Hetzendorf an die Central-Saint-Martins-Kunstuniversität – seit dem Abschluss eines Womenswear-Bachelorstudiums arbeitet er am Aufbau seines Labels und als Freelancer in der Kreativszene.

Diese steht derzeit allerdings weitgehend still, und das ist nicht die einzige Unsicherheit: „Wie es nach dem Brexit weitergehen wird, ist noch ungewiss. Manche haben überreagiert und sofort angekündigt, die Stadt verlassen zu wollen“, sagt Scheibenbauer. Er selbst wolle aber in Großbritannien bleiben; während des Corona-Lockdowns widmete er sich dem konzeptionellen Aufbau seiner eigenen Marke.

Bereits sein Saint-Martins-Diplom ließ Scheibenbauer auf Erkenntnissen basieren, die er in eigenen Workshops mit Künstlern, Tänzern und Therapeuten gewann. „Ich möchte erforschen, welches Verhältnis Menschen zu ihrer Kleidung haben, und dadurch unterstreichen, dass Mode keineswegs nur oberflächlich ist“, sagt der gebürtige Niederösterreicher. „Und ich möchte eine eigene Sprache mit meinen Kollektionen finden, die das zum Ausdruck bringen sollen.“


Ökologischer Anspruch. Schnitte ohne Abnäher und körperferne Passformen sollen inklusive Mode für alle Körpertypen und Geschlechter ermöglichen. Für seine neue Kollektion verarbeitete Scheibenbauer Gots-zertifizierte Biobaumwolle und Bienenwachsbeschichtung: „Diese Idee kam mir, als es in mein Studio hineinregnete und meine Arbeitsmaterialien durchnässt waren.“

Lobte Scheibenbauer anfangs noch das Engagement des British Fashion Council, zeigt er sich nun etwas enttäuscht: Für Coronasoforthilfe umgewidmete Gelder seien nicht an junge Designer gegangen, sondern großteils an bereits etablierte Labels. Nicht immer birgt die Krise also Chancen für die Entwicklung von Neuem.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2020)