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Walk of Häme

Halbe Stunde statt halbe-halbe

Oder: Warum sich auch Nicht-Alleinerziehung einsam anfühlen kann.

Der Mai ist quasi vorbei, auch von den Coronamaßnahmen ist bald nicht mehr viel übrig. Da wird also überall Bilanz gezogen, Zahlen über Zahlen, viele Nullen hängen da meistens daran – manchmal werden die auch vergessen. Eine bloß zweistellige Zahl sollte da jedenfalls auch nicht ganz untergehen im Zifferngewitter. Eine Studie zur Arbeitsbelastung während der vergangenen Wochen hat nämlich den Unterschied quantifiziert zwischen Alleinerzieherinnen und jenen Frauen, die ihre Kinder mit männlicher (nun ja) Unterstützung (ist wohl kaum das richtige Wort) großziehen: 30 Minuten. Während also eine Frau alleine gelassen mit den drei unbarmherzigen Hs (Home-Office, Homeschooling, Hausarbeit) 15 Stunden pro Tag rackert, reduziert sich diese Arbeitszeit um eine ganze halbe Stunde, wenn ein männlicher Partner im gemeinsamen Haushalt wohnt. Dieser arbeite zwar in Stunden nicht viel weniger, allerdings überwiegend bezahlt, könne dabei eher die Tür hinter sich zumachen und sich vor allem auch gut abgrenzen, wenn es um die sauer verdiente Freizeit geht. Halbe Stunde statt halbe-halbe also. 2020 immer noch.

Die Matura, die ja heuer auch nur eine halbe war, ist vorbei und irgendwie gibt es da jedes Jahr ein bisserl viel Theater darum herum. Zuerst die Einführung der Zentralmatura (das ist erst fünf Jahre her), seit damals ist sie jeden Frühling entweder zu schwer oder zu leicht, die Korrektur im Folgejahr geriet immer zu extrem. Wegen Corona dann der Verzicht auf mündliche Prüfungen und die Kulanzregelung, wonach die Note der 8. Klasse in die Note der Prüfung eingerechnet wird. Zur Hälfte übrigens. Von 40.000 haben dann 40 leere Zettel abgegeben, weil sie die Matura aufgrund der Zeugnisnote schon bestanden hatten, was den Bildungsminister verärgert und enttäuscht hat. Wäre interessant zu wissen, wie viele Prüflinge im vergangen Jahr eine leere Maturaarbeit abgegeben haben. Und: Diesmal geriet die Mathematik-Prüfung wieder zu schwer!? Vielleicht muss man ja an der ganzen Matura doch mehr ändern als nur den Beurteilungsschlüssel.

Die letzten normalen Pfingsten, auch der Dienstag ist noch schulfrei (ab nächstem Jahr gibt es Herbstferien), laufen untypisch ab: Ohne Staus, was nichts bringt, wenn niemand fährt, und viele freuen sich auf Mittwoch, wenn sie wieder ins „richtige“ Büro dürfen.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2020)