Schnellauswahl
Verhüllungen und Land Art

Künstler Christo ist gestorben

FILE PHOTO: Artist Christo stands in front of his work The London Mastaba, on the Serpentine in Hyde Park, London
Christo 2018 vor dem Werk The London Mastaba. Die gestapelten Ölfässer in der Form einer ägyptischen Mastaba, die Christo in Abu Dhabi realisieren wollte, sind im Londoner Hyde Park in kleiner Form zu sehen.(c) REUTERS (Simon Dawson)
  • Drucken

Gemeinsam mit Partnerin Jeanne-Claude verhüllte Christo den Reichstag in Berlin, er baute Stege quer über einen See: Christo wurde mit spektakulären Projekten bekannt. Nun starb er mit 84 Jahren in New York.

Im kommenden Jahr wollte er sein nächstes großes Projekt - die Verhüllung des Pariser Triumphbogens - angehen. Dazu wird er keine Gelegenheit mehr haben. Am Sonntag starb der Künstler Christo im Alter von 84 Jahren in seiner New Yorker Wohnung. Die Nachricht auf seiner Website bestätigte später sein Büro der Deutschen Presse-Agentur. "Christo lebte in vollen Zügen", teilten seine Mitarbeiter mit.

Der in Bulgarien geborene US-Amerikaner, der ein Atelier im Süden Manhattans besaß, hatte die Verpackung des Pariser Wahrzeichens eigentlich für diesen Herbst geplant, wegen der Corona-Epidemie aber auf September 2021 verschoben.

Das Projekt werde trotz Christos Tod weitergeführt, versicherte sein Büro. Zudem soll es ab Juli dieses Jahres eine große Ausstellung zum Schaffen des Künstlers im Pariser Centre Pompidou geben.

Verhüllung des Reichstages

In Deutschland wurden Christo und seine Partnerin Jeanne-Claude vor allem durch die Verhüllung des Reichstages in Berlin bekannt. 1995 verdeckten sie das Gebäude mit 100.000 Quadratmetern Spezialstoff. Die Aktion lockte fünf Millionen Besucher an und gilt bis heute als eines ihrer Meisterwerke.

Zu anderen berühmten Projekten des Künstlerpaares zählten die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park ("The Gates"), die schwimmende, mit Nylongewebe bezogenen Stege auf dem Wasser des Iseosees in der Lombardei ("Floating Piers") sowie die verpackte Brücke Pont Neuf in Paris.

Jeanne-Claude starb 2009

Die teils aus vielen Kilometern Entfernung sichtbaren Installationen, etwa der "Valley Curtain" in Colorado oder gelben und blauen Riesen-Sonnenschirme in Japan und Kalifornien ("The Umbrellas"), entstanden im Team. Mit seiner Frau Jeanne-Claude, mit der er seit den 90er Jahren stets als Duo auftrat, kämpfte Christo von ersten Plänen bis zur Realisierung eines Projekts teils mehrere Jahrzehnte.

Die aus Casablanca in Marokko stammende und am selben Tag wie Christo geborene Jeanne-Claude war 2009 im Alter von 74 Jahren in New York an einer Hirnblutung gestorben.

"Sie werden verschwinden, wie unsere Kindheit, unser Leben"

Leuchtende Kunststoffflächen, Bauwerke und Landstriche, wie zu überdimensionalen Geschenken oder Paketsendungen verpackt - faszinierende Bilder werden von Christos Arbeit in Erinnerung bleiben. Das heute fast keine mehr davon zu sehen ist, dürfte ihre Pracht nur verstärkt haben. "All diese Projekte haben eine starke Dimension des Fehlens, der Zurückhaltung", sagte Christo zur Reichstagsverhüllung. "Sie werden verschwinden, wie unsere Kindheit, unser Leben." Erst das mache die Erfahrung so intensiv.

 

(APA/dpa/AFP)