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Pizzicato

Hausmann im trauten Heim

Auf den Fotos ist ein Naturphänomen zu besichtigen. Die viel jüngere Frau verheißt eine Verjüngungskur.

Als Hausmann tat sich „Gerd“ – so nennen ihn Freunde und die fünf (Ex-)Frauen – nie hervor. Anno 2000 rief Gerhard Schröder, der „Genosse der Bosse“ mit Faible für italienischen Zwirn und Rotwein, einem Adlatus bei einem Sommerfest zu: „Hol mir mal 'ne Flasche Bier, sonst streik' ich hier.“ Zum Hip-Hop gemixt, wurde es Kult. Ob er eine Currywurst so herunterspülte, ist nicht überliefert– nur dass ihm seine Frau „Hillu“ keine Extrawurst briet.

Als Rentner mit Kanzlerpension und Golfpassion und Zubrot als Lobbyist mit Tagesfreizeit legte sich der 76-Jährige einen Podcast als Zurufer der Tagespolitik zu. Seine südkoreanische Frau Soyeon postete derweil Fotos vom Hausmann, als hätte sie den Macho domestiziert. Im Daunengilet – und nichts darunter – steht er im Allwetter-Look am Herd und schwingt den Kochlöffel im Wok. Koch, nie Kellner – eine Arbeitsteilung nach seinem Geschmack. Ob mit Blumenstrauß oder zerzaust beim Haareschneiden: Nichts als trautes Heim. Die „Welt“ witzelte: „Die Kardashians von Hannover“.

Auf den Fotos ist ein Naturphänomen zu besichtigen. Die viel jüngere Frau verheißt eine Verjüngungskur: Statt zu ergrauen, erblondet der Altkanzler. Von Muttern gelernt, schmierte er früher Tinktur in den braunen Haarschopf – was er allerdings stets abstritt. Nun glänzt am Haupt eine jugendlich-seidige Mèche.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2020)