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Runder Tisch

Kommt Pfand für Plastikflaschen in Österreich?

In der EU wird das Pfand für Plastikflaschen bald dominieren.
In der EU wird das Pfand für Plastikflaschen bald dominieren.(c) Schwabe/picturedesk.com
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Österreich kommt derzeit auf eine Sammelquote von bloß 70 Prozent.

Wien. Ende 2018 einigten sich die EU-Länder unter dem seinerzeitigen österreichischen Vorsitz auf ein Verbot von Einwegplastik-Artikeln. Die EU-Vorgabe gegen Plastikvermüllung sieht für Plastikflaschen eine Sammelquote von 90 Prozent bis 2029 vor. Österreich erreicht aber derzeit nur 70 Prozent, bei insgesamt rund 1,6 Milliarden Kunststoff-Flaschen, die jährlich in den Verkehr gesetzt werden. Kommt es also zu einem Pfandsystem? Kann nur so die Lücke geschlossen werden? Diese Fragen werden heute, Dienstag, im Zentrum der Debatte stehen: Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und ÖVP-Staatssekretär Magnus Brunner laden zum Runden Tisch ein. Rund 40 sogenannte Stakeholder sind eingeladen – Vertreter von NGOs, des Handels, Recyclingformen und Experten für Kreislaufwirtschaft.

 

Studie liegt vor

Noch unter Gewesslers Vorgängerin, Elisabeth Köstinger, wurde vor rund einem Jahr eine Studie in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse liegen seit Anfang 2020 vor. Und sie kommt zum Schluss, dass selbst eine Sammelquote von über 75 Prozent nur durch Pfandeinhebung oder zusätzliches Aussortieren der Flaschen aus dem Restmüll zu bewerkstelligen sei. Doch das Pfandsystem ist umstritten: Umwelt-NGOs sind massiv dafür, allerdings würden der Einzelhandel, die Wirtschaftskammer und nicht zuletzt die Altstoff Recycling Austria (ARA) das jetzige System am liebsten beibehalten.

In der EU wird das Pfand jedenfalls bald die dominierende Variante sein: In zehn Staaten gilt ein solches bereits, mindestens sechs weitere sollen innerhalb von zwei Jahren folgen. Als „keinen guten Weg in Österreich“ bezeichnete der Generalsekretär der Wirtschaftskammer (WKÖ), Karlheinz Kopf, das Pfandsystem am Samstag im Ö1-Mittagsjournal. So hätten Geschäfte mit weniger als 250 Quadratmetern Verkaufsfläche jährliche Mehrkosten von 10.500 Euro, wenn 58.000 Pfandflaschen pro Jahr verkauft würden – miteingerechnet wurde ein Rückgabeautomat um 10.000 Euro.

In der vom Umweltministerium beauftragten Studie wurden indes bereits für Geschäfte mit Verkaufsflächen bis 200 Quadratmeter und darunter Ausnahmen bei der Rücknahme vorgesehen. „Die Rückgabe von Pfandgut kann natürlich auch manuell stattfinden – auch in diesem Fall erhält das Geschäft eine Manipulationsgebühr pro Gebinde“, ergänzte Lena Steger, Plastik- und Ressourcen-Expertin von Global 2000. In Litauen habe sich gezeigt, dass 89 Prozent der Pfandgebinde über Automaten zurückgegeben werden, in Norwegen wären es sogar 93 Prozent. Kleinere Geschäfte müssten laut Steger daher mit keiner Überlastung rechnen.

 

Große Preisunterschiede

Die Arbeiterkammer hingegen wies im Vorfeld des Runden Tisches auf den beträchtlichen Preisunterschied hin: Das Einwegpfand wurde pro Jahr auf rund 117 Millionen Euro geschätzt, die Getrenntsammlungsvarianten jedoch auf 145 Millionen – eine Differenz von etwa 28 Millionen Euro im Jahr. In der Studie wurde übrigens zu 0,30 Euro einheitlich für alle Getränkearten und Gebindegrößen geraten.

Die ARA, die von einem Pfandsystem nicht profitieren würde, forderte in einer Aussendung indes eine faktenbasierte Diskussion. Vorstand Werner Knausz wünschte mit Bezug auf den Runden Tisch zudem, dass die „Beschäftigung mit Einzelthemen“ den Blick „auf das Gesamtbild Kreislaufwirtschaft“ nicht verstellen dürfe. „Wir sind auf der Suche nach 90.000 Tonnen Steigerung im Bereich des Recyclings von Kunststoffverpackungen, um die EU-Ziele zu erreichen“, kündigte Knausz an. Die Zielvorgaben des EU-Kreislaufwirtschaftspakets 2025 für Verpackungen aus Papier, Glas und Metall habe man bereits erfüllen können. (APA/kor.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2020)