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Opec

Öl soll nicht in Strömen fließen

(c) REUTERS (Nick Oxford)
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Saudiarabien will die vereinbarte Förderkürzung verlängern. Und das aus gutem Grund.

Dubai. Mitte April, da war der Ölpreis im freien Fall. Zu viel des schwarzen Goldes traf auf zu wenig Nachfrage. Und so einigte sich die Organisation Erdölproduzierender Länder gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern (Opec+) darauf, die Ölförderung zu drosseln. Der Plan sah vor, dem Markt ein Zehntel des weltweiten Angebots zu entziehen. Die Vereinbarung sollte ursprünglich für die Monate Mai und Juni gelten und dann binnen zweier Jahre schrittweise zurückgenommen werden.

Wegen des großen Erfolgs könnte nun aber eine Verlängerung anstehen. Statt die Förderkürzung schon im Juli wieder zu lockern, scheint Saudiarabien bestrebt zu sein, alles wie gehabt weiterlaufen zu lassen, zumindest bis Jahresende. Das Königreich hat in der Opec zwar großes Gewicht. Doch braucht das Land auch Verbündete, um seine Ziele durchzusetzen. „Die Saudis suchen nach Unterstützung, um das Produktionsniveau für längere Zeit niedrig zu halten“, sagt Amrita Sen, Ölanalystin bei Energy Aspects.

Das Zünglein an der Waage wird wohl Russland sein, das sich jüngst aber für eine schrittweise Lockerung ausgesprochen hat. Am Ende könnte ein Kompromiss herausschauen, der eine Verlängerung der Förderkürzung um ein bis zwei Monate vorsieht. Schon am Donnerstag dieser Woche könnte die Opec bei einem vorgezogenen virtuellen Treffen darüber verhandeln.  Algerien, das derzeit die Opec-Präsidentschaft innehat, hat vorgeschlagen, eine zunächst für 9. und 10. Juni geplante Konferenz vorzuziehen.

Die verringerte Ölproduktion der Opec+-Staaten sowie der Rekordrückgang der Förderung von Nichtmitgliedern wie den USA und Kanada hat dazu geführt, dass sich Öl der Sorte Brent inzwischen auf rund 38 Dollar je Barrel verteuert hat. Damit ist der Preis aber immer noch nur halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Und er liegt für viele Staaten unter jenem Niveau, das sie für ein ausgeglichenes Budget benötigen. Je länger die Drosselung der Ölförderung anhält, desto schneller dürfte sich der Preis wieder erholen, lautet die Hoffnung. Auch, weil die Nachfrage aufgrund der erhofften wirtschaftlichen Erholung wieder zunimmt. China als weltgrößter Ölimporteur verbrauchte zuletzt schon wieder fast so viel Öl wie vor einem Jahr.

 

Saudis mit hohem Defizit

Saudiarabien hat an einem nachhaltig höheren Preis ein berechtigtes Interesse. Das Königreich kann sein Öl zwar so günstig aus dem Boden holen wie kaum ein anderes Land auf der Welt. Doch hat es sehr hohe Ausgaben zu stemmen, die es vor allem mit dem Verkauf von Öl finanziert.

Weil das Preisniveau derzeit so gering ist, wird der Staat ein gewaltiges Defizit einfahren. Daten des Internationalen Währungsfonds zufolge dürfte sich das Minus heuer auf 13 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausweiten. Die Saudis haben deshalb etwa schon ihre Mehrwertsteuer verdreifacht.

Das Land sitzt allerdings auf genügend Reserven, um durch diese Krise zu kommen – wenngleich diese zuletzt deutlich geschmolzen sind. Das hat auch damit zu tun, dass dem Staatsfonds Geld überwiesen wurde, um im Ausland nach günstigsten Investitionsmöglichkeiten Ausschau zuhalten. Das soll langfristig ölunabhängige Gewinne bringen. (ag/nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2020)

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