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„Bergauf mit Cultour“.

Ein erstes Event, das keines ist

Florian Phelps (Tirol Werbung), Ingried Brugger (BA Kunstforum), Elisabeth Gürtler (Astoria Seefeld), Michael Schade (Tenor) und Werner Frießer (Bürgermeister Seefeld und Bergbahnen-Vorstand) werben gemeinsam für eine Sommerfrische in Seefeld.
Andreas Tischler / Vienna Press
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Elisabeth Gürtler lädt 20 Künstlerinnen und Künstler in ihr Hotel nach Seefeld, um Kulturleben und Tourismus Starthilfe zu geben.

Rund 90 Tage Stillstand sind genug. „Es war schrecklich, aber jetzt müssen wir nach vorn sehen“, sagt Elisabeth Gürtler. Sie, als Gastgeberin im Astoria Ressort in Seefeld, und die Künstlerinnen und Künstler ebenso. Die seien schließlich, so sagt Michael Schade, Tenor und Intendant der Barocktage Melk, derzeit, nach der langen Pause, wie Rennpferde, die mit ihren Hufen scharren, die nicht erwarten können, dass alles wieder losgeht.

Bis das gewohnte Leben, der Kulturbetrieb und der Tourismus, so wie man ihn kannte, wieder losgehen, dauert es wohl noch. Aber um hier quasi etwas Starthilfe zu geben, lädt Elisabeth Gürtler nun auf eine Art künstlerisch-touristische Sommerfrische ein.

Keine Veranstaltung, aber ein Zeichen

„Das ist keine Veranstaltung im gewöhnlichen Sinn, aber es ist ein Zeichen“, sagt die Hotelchefin. Kommende Woche sperrt sie ihr Tiroler Hotel wieder auf und lädt unter dem Motto „es geht bergauf“, wie sie sagt, von 11. bis 14. Juni zu einem langen Eröffnungswochenende. Es soll, so Gürtler, ein kulturelles Lebenszeichen sein. Gürtler macht ihr Haus vier Tage lang zur Bühne für eine Gruppe von Künstlern, die in Seefeld lesen, musizieren, performen oder singen werden.

„Bergauf mit Cultour“ heißt das Projekt, das kommende Woche schon in Wien startet: 20 Künstlerinnen und Künstler, von Christian Ludwig Attersee über Thomas Hampson bis zu Xenia Hausner, werden gemeinsam einen Zug besteigen und sich in einem eigenen Railjet-Waggon auf den Weg nach Innsbruck und von dort nach Seefeld machen. Weiters dabei sein werden etwa Ingried Brugger, Sandra Cervik, Michael Dangl, Robert und Lynn Dornhelm, Herbert Föttinger, Thomas Hampson und Andrea Herberstein, Angelika Kirchschlager, Michael Maertens, Julian Rachlin und Sarah McElravy, Ildiko Raimondi, Xaver Schwarzenberger und Birgit Hutter, Daniel Serafin und Clemens Unterreiner.

Improvisation im Freien

Organisatorin Gürtler sieht bei der Vorstellung des Events (das freilich keines ist, so wollen es die Regeln der Coronazeit) in Wien darin vor allem ein Zeichen des Optimismus. Die Kulturschaffenden werden gemeinsam in ihrem Hotel wohnen, sich dort austauschen und unter dem Titel auch ein kulturelles Freiluftprogramm bieten.
Herkömmliche Tickets für dieses Nicht-Event gibt es nicht.

Beiwohnen können dem Programm – für das es keine herkömmliche Bühne gibt, es wird im Freien stattfinden, oder, bei Schlechtwetter, auf der Terrasse – geladene Gäste aus der Kulturszene und sogenannte Helden der Coronazeit, von denen Gürtler spricht: Von Pflegepersonal bis zu Ärzten oder Angehörigen anderer Berufsgruppen, die in diesen Monaten das System erhalten haben und bei denen sich Gürtler für ihren Einsatz bedanken möchte – und die vom Tiroler Landeshauptmann, Günther Platter, als Gäste des Events ausgesucht werden sollen.

Und, das Programm ist freilich auch für die Gäste ihres Hauses: Gürtler sagt, es sei eine „mutige Entscheidung“ gewesen, dieses nun wieder zu öffnen. Schließlich beschloss sie das, als sie gerade einmal zwei Buchungen für das 82-Zimmer-Ressort hatte: Mittlerweile sind es für das Eröffnungswochenende zwar auch erst acht Buchungen geworden (neben den Künstlerinnen und Künstlern), aber das Kulturprojekt soll wohl auch da eine Starthilfe nach der Corona-Zwangspause sein.

„Sommerfrische reloaded“

Darüber hinaus soll die Zusammenkunft ein Versuch sein, Künstlern wieder Mut zu machen. „Man kann Kultur überall präsentieren, sie ist nicht auf die Bühne beschränkt“, sagt Gürtler. Und sagt, sie freue sich auf gemeinsames E-Biken, Freiluftkonzerte und andere künstlerische Beiträge.

Und auf eine „Sommerfrische reloaded“, schließlich hätten sich angesichts der Pandemie die Paradigmen geändert. Regionalität, Nähe, kurze Wege, Freiheit statt Enge, Superlativen und Eventkultur würden nun zählen, so Gürtler. „Wir sind süchtig nach Kultur. So wie bisher geht es derzeit nicht, also findet Kultur in einem anderen Rahmen statt.“

Tenor Schade erinnert der gemeinsame Tirol-Ausflug an Franz Schuberts Landpartien. Der Komponist habe diese Ausflüge mit Freunden aufs Land geliebt, „so fahren auch wir hinaus aufs Land, damit unsere Seele wieder voll wird“, sagt Schade.