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Das laute Schweigen des Justin Trudeau

Kanadas Premier TrudeauAPA/AFP/DAVE CHAN
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21 Sekunden lang fehlten dem schlagfertigen Premier Kanadas die Worte, als er nach Trumps Reaktion auf die Unruhen gefragt wurde.

Die Journalistenfrage an Kanadas Premierminister Justin Trudeau war klar und deutlich: Was er von der Drohung seines Amtskollegen Donald Trump halte, die Unruhen in den USA notfalls mit militärischer Gewalt zu stoppen? Darauf sagte der für seine Schlagfertigkeit bekannte Trudeau zunächst einmal - nichts. 21 Sekunden lang. Und dann: "Wir alle beobachten mit Entsetzen und Bestürzung, was in den USA passiert."

Trudeaus Verhältnis zu Trump ist bekanntlich gespannt. Umso lauter war dieses Schweigen. Und er fügte noch einen Satz hinzu, den sich viele Amerikaner eigentlich von Trump erhofft hatten: Dies sei eine Zeit für Einigkeit und zum Zuhören.

Gleichzeitig erinnerte er an die Probleme im eigenen Land. Rassismus sei nicht nur ein Problem der USA, auch in Kanada würden Menschen mit schwarzer oder brauner Hautfarbe und Ureinwohner immer noch zu oft systematisch ungerecht behandelt. "Auch wenn wir schon Fortschritte gemacht haben im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung, gibt es immer noch Rassismus in Kanada", sagte Trudeau. "Jungen schwarzen Kanadiern will ich sagen, ich verstehe Euch, wenn Ihr sagt, dass Ihr besorgt und wütend seid."

Der Afroamerikaner Floyd war in der vergangenen Woche bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet worden. Im ganzen Land breiteten sich daraufhin Proteste aus, die in zahlreichen Metropolen auch zu Ausschreitungen und Plünderungen führten. US-Präsident Trump drohte, die Unruhen notfalls mit militärischer Gewalt stoppen. Auch in vielen anderen Ländern weltweit, darunter auch in Kanada, kam es zu Protesten. Das Verhältnis zwischen dem liberalen Trudeau und dem Republikaner Trump gilt schon lange als angespannt.

(APA/dpa/red.)