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Umfrage

Nachhaltige Ernährung scheitert oft am Preis

60 Prozent der Österreicher gaben bei der Umfrage an, gerne mehr für ein Produkt zu zahlen, wenn der Bauer sicher einen fairen Betrag erhält.Die Presse/Clemens Fabry
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Sieben von zehn Österreichern fordern Informationen über die Nachhaltigkeit eines Produktes am Etikett. Fehlende Transparenz und hohe Preise seien der Grund, warum sie sich nicht nachhaltiger ernähren.

70 Prozent der Österreicher und zwei Drittel der Europäer wären bereit, sich nachhaltiger zu ernähren. Die größten Hürden dabei sind der Preis und die fehlende klare Kennzeichnung von nachhaltigen Lebensmitteln. Das ergab eine Umfrage von Konsumentenorganisationen in elf EU-Ländern, wie die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich am Mittwoch berichtete.

Ernährung ist nach Darstellung der EU-Kommission der Faktor, mit dem die Haushalte in der Europäischen Union die Umwelt am meisten belasten, noch vor Heizung oder Verkehr. Neben der AK in Österreich haben Konsumentenorganisationen in Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Portugal, Slowenien, der Slowakei, Griechenland und Litauen Menschen zu nachhaltigen Lebensmitteln befragt.

Bereits vor der Coronakrise achtete den Umfrage-Ergebnissen zufolge fast jeder fünfte Österreicher „besonders" und rund die Hälfte „etwas" auf die ökologischen Auswirkungen ihrer Nahrungsauswahl. Der Durchschnitt aus allen elf Ländern war jeweils etwas geringer. Bei den Gründen, die einer noch nachhaltigeren Ernährung entgegenstehen, lag für rund 55 Prozent der Österreicher der Preis ganz vorn, gefolgt von einer fehlenden klaren Kennzeichnung und einem Mangel an nachhaltigen Lebensmitteln. Im Länderschnitt lag „fehlende Information, wie dies möglich ist" an dritter Stelle.

Sieben von zehn Österreichern und mehr als die Hälfte im EU-Schnitt fordern eine verpflichtende Information über die Nachhaltigkeit eines Produktes am Etikett. Etwas mehr als die Hälfte aller Befragten ist dafür, Landwirte durch Anreize wie etwa Subventionen zu einer nachhaltigen Produktionsweise zu motivieren. Immerhin 37 Prozent in Österreich sprachen sich für rechtlich verpflichtende, strengere Nachhaltigkeitsstandards für Landwirte und Lebensmittelhersteller aus. Und über 60 Prozent der Österreicher - etwas weniger im EU-Schnitt - sind der Meinung, die Regierung unternimmt nicht genug, um die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln zu fördern.

Zahlungsbereitschaft für faire Bauernprodukte

Immerhin 25 Prozent der Österreicher sowie knapp 20 Prozent in allen Ländern sind bereit, mehr Geld für nachhaltiges Essen auszugeben, knapp die Hälfte hierzulande und mehr als die Hälfte im EU-Schnitt können sich das nicht vorstellen. Wobei rund 60 Prozent aller Teilnehmer bereit wären, mehr zu zahlen, wenn sicher ist, dass die Bauern einen fairen Preis erhalten. Ebenso viele würden hauptsächlich regionales Obst und Gemüse kaufen.

Bei nachhaltigen Lebensmitteln denken die Österreicher vor allem an regionale Lieferketten, geringe Umweltbelastung und keine Pestizide oder Gentechnik. 40 Prozent und damit um zehn Prozentpunkte mehr als im Länderschnitt nehmen in Kauf, weniger rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) zu essen. 6,6 Prozent der Österreicher (6,2 Prozent im EU-Schnitt) essen gar kein solches Fleisch mehr und 41,6 Prozent (35,4 im EU-Schnitt) haben es aus Gründen der Nachhaltigkeit auf ihrem Speiseplan reduziert. Vor allem Fleischkonsum gilt als klimaschädlich, weil für Tierfutter große Flächen gebraucht werden und bei der Tierhaltung viel Methan entsteht.

Als Fleischersatz liegen vegetarische Gerichte und pflanzliche Alternativen hoch im Kurs: Über 70 bzw. fast 50 Prozent der Österreicher (rund 60 Prozent im Länderschnitt) würden darauf zurückgreifen, während je über 70 Prozent Insekten sowie Fleisch aus dem Labor und fast 80 Prozent Fleischalternativen aus gentechnisch veränderten Zutaten ablehnen. Schwerer tun sich die Menschen mit dem Verzicht auf Milchprodukte: Nur gut 20 Prozent aus allen Teilnehmer-Ländern würden den Konsum reduzieren, die Hälfte ist dazu nicht bereit.

(APA)