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Eva Poleschinski: "Die Modebranche ist in einem selten dagewesenen Tief"

Porträt: Eva Poleschinski
Porträt: Eva PoleschinskiOliver Wolf
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Die österreichische Designerin spricht über Herausforderungen in der aktuellen Situation und erklärt, warum sie gerade jetzt ihren Kunden dankbar ist.

2008 gründete Eva Poleschinski ihr gleichnamiges Label und führt nicht nur eine Couture-, sondern auch eine Made-to-Measure-Kollektion. Die Designerin hat zudem schon mit zahlreichen nationalen und internationalen Unternehmen wie Vossen, Campari, Vöslauer oder Milka zusammengearbeitet.

Wie gehen Sie mit der derzeitigen Situation um?

Der Shutdown war etwas, das der Großteil der in Österreich lebenden Menschen zum Glück noch nie erlebt hatten. Als Unternehmerin habe ich sehr rasch die notwendigen Schritte gesetzt. Es war und ist eine Herausforderung, wichtige Entscheidungen basierend auf Unsicherheiten zu treffen. 

Wie kann es in der Mode weitergehen, was wird sich Ihrer Meinung nach verändern?

Die Modebranche ist in einem selten dagewesenen Tief. Ich empfinde die Zeit jetzt gerade als „Make it Work Periode“ - die wirklichen Auswirkungen und Folgen des Shutdowns werden erst in einigen Monaten spürbar werden. Viel wird davon abhängig sein, wie sich die Pandemie und die Beschränkungen um sie herum entwickelt. Wo keine Veranstaltungen, da keine Ballroben; wo kein Badeurlaub, da keine Schwimmbekleidung. Es ist aber noch zu früh Modetrends, die sie sich speziell wegen Corona entwickeln, zu definieren.

Was uns die Geschichte zeigt, ist, dass es in solchen Krisen immer zwei sehr deutliche Richtungen gibt. Einerseits wird die Opulenz, die Verspieltheit in der Mode immer ein starkes Thema; im Gegensatz dazu lebt auch das ganz Schlichte und Reduzierte auf. Gerade jetzt wird Mode noch mehr für gesellschaftspolitische Statements verwendet werden.

Couturekleid von Eva Poleschinski
Couturekleid von Eva Poleschinski(c) OLIVER RATHSCHUELER

Können Sie schon abschätzen, wie sich die Situation wirtschaftlich entwickelt? Wie steht es um Umsatz, Kundenzuspruch etc.?

Seit einigen Jahren habe ich keinen klassischen Geschäftsbetrieb mehr. Ich biete Termine nach Anfrage in meinem Atelier an. Dadurch kann ich gerade jetzt sehr gut auf die Regeln in Zusammenhang mit Covid-19 eingehen. Natürlich waren die neun Wochen, in denen keine Anprobe, keine Treffen möglich war, wirtschaftlich sehr herausfordernd. Seit Anfang Mai darf ich mit Auflagen wieder meinem „Daily Business" nachgehen.

Haben Sie einen Onlineshop, wie wichtig ist er aktuell, wie hat sich der Kundenzuspruch verändert?

Grundsätzlich hatte ich seit einigen Jahren keinen Onlineshop mehr, da meine Designs individuell angefertigt werden. Die Nachfrage nach meinen Mund-Nasen-Masken waren jedoch so groß, dass ich umgehend einen Onlineshop auf meiner Homepage eingerichtet habe. Ich bin sehr froh, so schnell reagiert zu haben.

Der Kundenzuspruch hat sich verändert. Einerseits haben viele Bräute ihre Hochzeiten um ein Jahr verschoben, andererseits gibt es auch einige, die die Zeit nutzen, um spontan in kleinem Rahmen zu heiraten, da fast alle Locations frei geworden sind.

Welche Art von Unterstützung würde Ihnen jetzt besonders helfen, bekommen Sie Unterstützung aus einem der Hilfsfonds?

Als die größte Unterstützung empfinde ich derzeit das Treueverhältnis meiner Kunden mir und meinem Geschäft gegenüber. Das gibt mir und meinem Team Sicherheit und Zuversicht für die kommende Zeit.

Dasselbe gilt aber auch im B2B-Bereich. Die gegenseitige Unterstützung von Firmen und Partner wird stärker.

Kann die Krise auch eine Chance für eine positive Entwicklung darstellen? Wie könnte dies aussehen?

Krisen sind immer Anlass, Bestehendes zu überdenken, innovativ zu sein, nach vorn zu blicken und sich weiterzuentwickeln. Wenn sich alles rund um die Coronapandemie beruhigt hat, dann erwarte ich in meinem Tätigkeitsbereich keine großen Veränderungen. Ich arbeite für und mit Menschen im stetigen direkten Austausch in einer lebendigen persönlichen Kommunikation. Meine Hoffnung ist, dass sich die Modebranche etwas entschleunigt und ein stärkeres Augenmerk auf lokale Designs und Produktion gelegt wird.

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