Hunderte freie Dolmetscher, die bis Herbst kaum Aufträge erhalten, sollen bis dahin mit 1300 Euro über die Runden kommen.
Die rund 1000 freiberuflichen Dolmetscher, die in Brüssel und Straßburg für Kommission und Europaparlament arbeiten, sitzen großteils wegen der Coronapandemie auf dem Trockenen. Sie erhalten keine Aufträge mehr und dürfen angesichts des eingeschränkten Betriebs der Institutionen der EU bis mindestens September, vermutlich aber bis 2021, mit wenigen oder gar keinen Arbeitstagen rechnen.
Kommission und Parlament boten den Vertretern der freischaffenden Dolmetscher bei der jüngsten Verhandlungsrunde am 26. Mai bloß an, das Honorar für drei oder vier Arbeitstage im Voraus zu bezahlen. Das entspräche rund 1300 Euro Einkommen für die Monate Juni und Juli, welche dieses Angebot abdeckt. Ein Geldgeschenk ist das nicht, denn diese Arbeitstage müssen bis Jahresende im Nachhinein geleistet werden. Doch ob das überhaupt möglich sein wird angesichts der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist mehr als fraglich. Mehrere von der „Presse“ befragte Beamte von Kommission und Parlament erklärten, dass sie sich einen Normalbetrieb ihrer Institutionen – und damit auch den üblichen Bedarf an Dolmetscherdiensten – frühestens im Jahr 2021 vorstellen können.