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George Floyd

Musiker antworten auf Polizeigewalt: „They want us crucified“

"Happening right outside your window": Das Video zu "Pig Feet" zeigt die Unruhen in den USA.
"Happening right outside your window": Das Video zu "Pig Feet" zeigt die Unruhen in den USA.Denzel Curry / Youtube
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„FTP“, „Pig Feet“: Die ersten Hip-Hop-Stücke anlässlich des Todes von George Floyd sind erschienen.

„I don't eat pork, I replaced it“, erklärt der kalifornische Rapper YG in einem aktuellen Stück namens „FTP“. YG steht für Young Gangsta, FTP für „Fuck the police“, man kennt den Slogan von einer fast schon historischen, wie YG aus Compton stammenden Hip-Hop-Formation, nämlich N.W.A., was wiederum eine Abkürzung für „Niggaz Wit Attitudes“ war. Ihr Stück stammt aus dem Jahr 1998, damals waren Übergriffe der Polizei gegen Schwarze der Anlass für den Rap, heute sind sie es wieder, und sie sind bekanntlich nicht weniger brutal geworden, ganz im Gegenteil. So erklärt sich auch der nicht wirklich subtile Scherz in der oben zitierten Zeile: Polizisten werden in den USA abfällig als „pigs“ bezeichnet.

Das steht auch hinter dem Titel eines weiteren Stücks, das nun als Reaktion auf den Mord an George Floyd erschienen ist: „Pig Feet“ von Terrace Martin, einem Musiker und Produzenten aus Los Angeles, der in Jazz und Hip-Hop gleichermaßen daheim ist. Diese beiden Genres finden derzeit ja wieder einmal zueinander, aber auf ganz andere Art als in den 1990er-Jahren, als Rapper am Jazz vor allem den entspannten Groove schätzten. Heute ist es vielmehr die Aufregung, die Ekstase, wie sie in den 1960er-Jahren im Freejazz verherrlicht wurde. So klingt Saxofonist Kamasi Washington, der hier zu den wütenden Worten ebenso wütend bläst, fast wie einst Archie Shepp oder Albert Ayler. Vielleicht noch rauer.

„Breath is alchemy"

Der Clip beginnt mit dem Schriftzug „This video is happening right outside your window“, man sieht Straßenkämpfe, hört – hier passt das Wort auf schreckliche Weise – atemlose Zeilen wie: „Breath is alchemy, see how the life converted“ oder „They want us crucified with stones and hard rocks.“ Artikuliert werden sie u. a. von Denzel Curry aus Florida, einem Vertreter des Cloud Rap. Er weiß, wovon er spricht: Sein älterer Bruder starb 2014 an Herzstillstand, nachdem er von Polizisten mit einem Taser und Pfefferspray misshandelt worden war.