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Kolumne zum Tag

Der Picknickkorb ist zu schwer zum Tragen

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Dinge, die man sich wünscht und nie benützt.

Wenn viele gleichzeitig das Bedürfnis nach Leere haben, wird es wieder voll. Das bekam am Pfingstwochenende Hallstatt zu spüren, das nach Wochen des nahezu Ausgestorbenseins von Besuchern überrannt wurde. Hallstatt gehört wie Venedig zu jenen Sehnsuchtsorten, deren besondere Magie gleichzeitig ihr größter Fluch ist. Man hebt sich den Besuch dort für den Zeitpunkt auf, an dem nicht alle anderen auch dort sind. Manchmal versäumt man ihn dann.

Ans Versäumen erinnern auch die fröhlichen Sommerangebote in der Werbung. Für alles, was leicht, bunt, gesellig wirkt, ist die Empfänglichkeit gerade größer als sonst. Gartenfeste, Picknicks, verspielte Dekoration für unbeschwerte Tage. Wenn man das nicht schon irgendwo verräumt liegen hätte und nie benützt hätte.

Beim Entrümpeln sind einem die Dinge in die Hände gefallen. Ein Picknickkorb, der befüllt zu schwer und sperrig zum Tragen war. Eine Hängematte, oftmals mitgeschleppt, aber irgendwas fehlte immer, der geeignete Baum, ein Haken. Tischläufer, die so edel auf Bildern aussehen, aber in echt ständig verrutschen. Serviettenringe für Gäste, die nie kamen. Jene, die kamen, mussten sich mit Papierservietten begnügen, da die aus Stoff nur in ungerader Zahl auffindbar waren. Zugegeben, die Papierservietten waren manchmal Küchenrolle.

Manch einer bringt es vielleicht zusammen, das schöner Leben, die bunten Schälchen, die kunstvoll drapierten Häppchen, die passenden Gläser für den klirrkalten Rosé. Aber auch wenn es ein Ikea-Sack war statt des Picknickkorbs, Wespen um die Pappbecher summten und irgendwer schreiend aus einem Ameisennest hochfuhr - die Erinnerungen sind bleibend.

Etwas, was sich von der Corona-Zeit vielleicht halten kann: Es geht auch simpler, wenn man Menschen trifft, die man mag. Die Serviettenringe sind schon entsorgt. Der Picknickkorb folgt.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2020)