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Fahrbericht

Range Rover Evoque: So jung und schon ein Klassiker

Die schwarze Akzentlinie gibt dem Evoque optisch mehr Breite – aber wirklich nur optisch. Die kompakten Abmessungen bleiben.[
Die schwarze Akzentlinie gibt dem Evoque optisch mehr Breite – aber wirklich nur optisch. Die kompakten Abmessungen bleiben.[(c) Clemens Fabry/Die Presse
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Der Erfolg des Range Rover Evoque hat Land Rover durch eine schwierige Zeit getragen. Jetzt hat man ihn überarbeitet – sehr, sehr vorsichtig.

Wien. Manchmal trifft ein Hersteller mit einem Modell den Geschmack der Kunden, bevor diese überhaupt wissen, dass sie diesen Geschmack haben. Genau das war beim Range Rover Evoque der Fall.

2008 hatte Ford die britische Traditionsmarke Land Rover zum Spottpreis an den indischen Tata-Konzern verkauft. Dort vertraute man auf die Innovationskraft der Ingenieure und vor allem auf den Einfallsreichtum von Chefdesigner Gerry McGovern. Er durfte auf einem weißen Blatt Papier ein völlig neues Auto entwickeln. Herausgekommen ist 2011 der Evoque – ein kompaktes Premium-SUV, das es bis dahin nicht gegeben hatte und um das sich die Kunden regelrecht rissen.

 

900.000 verkaufte Exemplare

Mittlerweile hat sich der Evoque etwa 900.000 Mal verkauft – ein einzigartiger Hit für die Marke und zugleich das Fahrzeug, das das ganze Unternehmen durch eine schwierige, finanzielle Zeit getragen hat. Es ist fraglich, ob es Land Rover ohne den Range Rover Evoque noch gäbe.

Aber auch Legenden nützen sich irgendwann ab, man muss nachschärfen, um den Kunden weiterhin zu gefallen. Außer das Auto ist der Evoque. Der Entwurf von McGovern ist so zeitlos, dass sich die zweite Generation äußerlich kaum von der ersten unterscheidet: die unverkennbare Silhouette mit Coupé-Charakter inklusive markant herabschwingender Dachlinie und aufwärtsstrebender Gürtellinie – die gibt es nur einmal und deswegen sollte man sie auch nicht verändern.

Man muss schon genau hinschauen, um die Unterschiede zwischen Generation eins und Generation zwei zu erkennen. Vorn etwa, wo die LED-Scheinwerfer schmaler geworden sind. An ihnen erkennt man den Einfluss des Range Rover Velar, der Vorbild für alle künftigen Überarbeitungen bei Land Rover ist. Vom großen Bruder – und der wiederum vom Tesla – hat der Evoque die verspielt ein- und ausfahrenden Türgriffe.

Hinten setzt man ebenfalls auf schmale Leuchten und eine schwarze Akzentlinie, die sich über das Heck erstreckt und optisch mehr Breite gibt. Aber wirklich nur optisch: Man hat sich gehütet, dem Trend zu längeren und breiteren Autos zu folgen. Denn ein wesentlicher Grund für den Erfolg des Evoque sind seine kompakten Maße. Gewachsen ist nur der Radstand (um 21 Millimeter).

Völlig erneuert hat man das Innenleben. Mutig setzen die Briten auf viel Elektronik, im Fall unseres Testautos sind es sogar drei Bildschirme: Einer für die Fahranzeigen, in der Mitte zwei weitere, zehn Zoll große Touchscreens für die Navigation, das Infotainment-System, die Klimaanlage, die Sitze – kurz: für ziemlich alles, womit man das Auto kontrollieren kann. Das ist beeindruckend, wenn man gern mit Touchscreens spielt. Für die Generation iPad hat Land Rover auch sechs USB-Anschlüsse verbaut.

Wer mit dem Evoque schon einmal rückwärts ohne Kamera ausgeparkt hat, der kennt den Preis der optischen Schönheit dieses Coupés: Sicht nahezu null. Jetzt bietet ein raffinierter Digitalrückspiegel Abhilfe. Eine Kamera spielt ein hochauflösendes Bild in den Rückspiegel ein. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber leicht abzustellen: Klappt man den Rückspiegel nach unten, wird der Bildschirm wieder zu einem Spiegel und man sieht durch die Schießscharte den Verkehr hinter sich.

Immer wieder beeindruckend ist die Geräuschdämmung, die man von einem Range Rover bekommt. Der Vierzylinder-Diesel (180 PS) hielt sich stets dezent im Hintergrund, ebenso wie die Automatik, die sanft durch die neun Gänge schaltete. Der Verbrauch pendelte sich bei 8,4 Liter ein.

Der Range Rover Evoque kostet ab 41.000 Euro, besser ausgestattet überschreitet man bald die 60.000-Euro-Grenze.

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Daten

Maße: Länge/Breite/Höhe (in mm): 4371/2100 (mit Außenspiegel)/1649. Radstand: 2681 mm; Leergewicht: 1787 kg; Anhängelast: bis 1600 kg.

Motor: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel; 1999 ccm; 132 kW (180 PS); max. Drehmoment 430 Nm.

Verbrauch: 6,8–7,4 Liter/100 km (WLTP). Testverbrauch: 8,4 Liter.

Preis: ab 41.032 Euro. Preis des Testautos: 68.325 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2020)