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Klimaspiele

Der Rollentausch als Vorbereitung für die Klimadebatte

In einem Rollenspiel sollen Junge Menschen lernen, welche Positionen und legitimen Interessen es bei der Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen zu bedenken gilt.
In einem Rollenspiel sollen Junge Menschen lernen, welche Positionen und legitimen Interessen es bei der Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen zu bedenken gilt.Headway / Unsplash
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Ein Projekt der Wiener Boku will erkunden, was Jugendliche über Maßnahmen gegen den Klimawandel denken, und sie spielerisch auf die Diskussion mit verschiedenen Interessengruppen vorbereiten. In die Rolle des anderen zu schlüpfen ist dabei das wichtigste Werkzeug.

Spätestens mit den weltweiten, wöchentlichen Schülerdemonstrationen der „Fridays for Future“-Bewegung zeigte sich, dass der Klimawandel zu den wichtigsten Themen für die Jugendlichen zählt und dass mit ihnen eine Generation heranwächst, die sich zumindest freitags von der scheinbaren Lethargie ihrer Vorgänger, der Millennials, lossagt, um für ihre Ideale auf die Straße zu gehen. Junge Menschen drängen an vorderster Front auf Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und wollen sie dabei nicht nur passiv „empfangen“, sondern aktiv mitgestalten und sich in politische Prozesse einbringen.

Doch wie es tatsächlich um die Ansichten der Jugendlichen steht und was sie von geplanten oder geforderten Klimamaßnahmen halten, ist bisher kaum systematisch erforscht worden, gibt die Politikwissenschaftlerin Helga Pülzl vom Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien zu bedenken. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sarah Nash und gefördert durch den Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat sie daher mit den „Vienna Climate Games“ ein Projekt entwickelt, das nicht nur diese Wissenslücke füllen, sondern gleichzeitig ein Trainingswerkzeug für die Debatte um den Klimaschutz hervorbringen soll.

„Im ersten Teil des Projekts wollen wir ein Verständnis dafür entwickeln, welche Klimaschutzmaßnahmen Jugendliche als notwendig erachten. Dazu werden wir Workshops an acht Wiener Schulen durchführen und auf Basis dessen verschiedene Typen von Jugendlichen entwickeln – idealerweise vier, es können aber auch sechs sein“, sagt Pülzl. Im zweiten Teil des Projekts werden diese Erkenntnisse dann in ein Rollenspiel einfließen, bei dem die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler die Ansichten einer dieser Gruppen übernehmen sollen.

Das Spiel enthält aber noch eine Reihe weiterer Rollen und Akteure, erklärt die Wissenschaftlerin: „Es wird auch einen Immobilienbesitzer und einen Landbesitzer geben, eine Energiefirma, ein Brauhaus oder eine Waffelfirma, aber auch politische Akteure wie Parteienvertreter und Bürgermeister und auch eine Forscherin oder einen Forscher der Boku. All diese Akteure haben bestimmte Interessen am Klimaschutz, die nicht unbedingt kohärent sein müssen.“

Coronapandemie als Krisenszenario

Ziel der Spieler ist es nun, für die Stadt Wien die Klimaschutzmaßnahmen bis zum Jahr 2030 zu vereinbaren, und dabei möglichst die Interessen der eingenommenen Rolle mit einfließen zu lassen. „Während beispielsweise die Boku-Forscherin sehr strikte Maßnahmen verlangt, wird der Immobilienbesitzer teuren Auflagen eher kritisch gegenüberstehen“, umreißt Pülzl mögliche Konflikte.

Die Schüler sollen so lernen, welche Positionen und legitimen Interessen es bei der Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen zu bedenken gilt. Und auch, wie sich diese Positionen ändern können: „Wir entwickeln gerade drei Szenarien, die dem Spiel eine gewisse Dynamik verleihen sollen, indem sie zu einem Rollentausch führen. Eines davon werden Wahlen sein – da kann dann einer der Spieler plötzlich zum Parlamentarier werden. Aber auch Krisenszenarien sollen durchgespielt werden, wir überlegen derzeit etwa, wie wir die Coronapandemie in das Spiel einbauen können.“

Noch sei aber vieles im Fluss und die genauen Regeln des Spiels noch in Arbeit, betont die Forscherin. Kommenden Herbst soll aber eine erste Testversion an jenen Schulen, die auch an ihrer Entwicklung beteiligt waren, erprobt werden. Bis es dann einer größeren Zahl an Schulen oder der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, werde es aber noch eine Weile dauern – dafür bräuchte es auch noch weitere finanzielle Unterstützung, so Pülzl.

Langfristig soll das Spiel sowie begleitende Unterrichtsmaterialien allen Wiener Schulen zur Verfügung gestellt und von den Lehrkräften eigenständig eingesetzt werden. Darüber hinaus werden die bei dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse auch wissenschaftlich publiziert. Wenn alles gut läuft, hofft Pülzl, könne man das Konzept dann in einem nächsten Schritt auch auf andere Regionen oder Länder übertragen.