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Causa Geisler: "Luder" in Tirol "nicht zwingend negativ"

Tirols Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) hat sich nach Kritik an seinem "Widerwärtiges Luder"-Sager gegenüber einer WWF-Aktivistin nun auch schriftlich bei der jungen Frau entschuldigt.
Tirols Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) hat sich nach Kritik an seinem "Widerwärtiges Luder"-Sager gegenüber einer WWF-Aktivistin nun auch schriftlich bei der jungen Frau entschuldigt.APA/YOUTUBE/SCREENSHOT/WWF
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Tirols Vize-Landeschef hat sich nun auch schriftlich bei der WWF-Vertreterin entschuldigt, die er ein „widerwärtiges Luder“ genannt hatte.

Tirols Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) hat sich nach Kritik an seinem "Widerwärtiges Luder"-Sager gegenüber einer WWF-Aktivistin nun auch schriftlich bei der jungen Frau entschuldigt. Er habe der WWF-Vertreterin nach seiner öffentlichen Entschuldigung nun auch ein "persönliches Schreiben" geschickt, sagte Geisler am Freitag. "Darin habe ich auch richtiggestellt, dass nicht ich unterbrochen wurde, sondern die Aktivistin von mir unterbrochen wurde. Ich hoffe, dass die Entschuldigungen für mein Fehlverhalten angenommen werden", meinte der Vize-Landeschef.

Indes nahm sich auch die "Süddeutsche Zeitung" der Causa an. Dort gab das Büro Geislers "Aufklärung" im Tirolerischen. Geisler habe den Ausdruck "ohne jedwede Aggression verwendet", so die Erklärung einer Sprecherin. "Luada" werde in Tirol "umgangssprachlich für eine schlitzohrige, hartnäckige Person verwendet, die einen austrickst". Der Ausdruck sei zudem "nicht zwingend negativ". "Ursprünglich stammt der Begriff - wie Sie sicher wissen - aus der Jägersprache und bezeichnet einen Köder zum Anlocken von Raubtieren", wurde der Zeitung zudem mitgeteilt. Die Äußerung sei zwar "inakzeptabel", aber "in keiner Weise frauenfeindlich gemeint" gewesen.

Neos: "Diese Aussagen lassen tief blicken"

Aussagen, die den Tiroler Neos-Landessprecher Dominik Oberhofer "entsetzten": "Diese Aussagen lassen tief blicken, man ist sich keiner Schuld bewusst. Hier müssen Konsequenzen gezogen werden. Solche Aussagen und Rechtfertigungen haben in einer Regierung keinen Platz".

"Widerwärtiges Luder" hatte Geisler die WWF-Aktivistin am Mittwoch am Landhausplatz in Innsbruck bei der Übergabe einer Petition gegen das Wasserkraftwerk Tumpen-Habichen genannt. Die Aussage war auf einem Video zu hören, das von der Naturschutzorganisation anschließend auf Youtube publiziert wurde. Zuvor war es zu einem Wortwechsel zwischen Geisler und der Frau über die Verschlechterung von Flüssen gekommen. Neben Geisler stand Tirols grüne Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe. Zu dieser wandte sich der ÖVP-Politiker und meinte: "Siehst, die lässt mich gar nicht reinreden. Widerwärtiges Luder".

Aktivistin will mündliche Entschuldigung

Der WWF verlangte am Donnerstag schließlich eine sofortige Entschuldigung Geislers und sprach von einer "inakzeptablen Entgleisung". Felipe gab an, sich darüber zu ärgern, die Aussage ihres Regierungskollegen "in dem Moment nicht gehört" zu haben.

Am Freitag meldete sich schließlich die WWF-Aktivistin selbst zu Wort. Sie will es nicht bei einer schriftlichen Entschuldigung bewenden lassen, sondern verlangt auch eine mündliche Entschuldigung Geislers. "Ich fordere, dass er das auch mündlich zu mir sagt", meinte die Frau im Ö1-"Mittagsjournal". Dazu dürfte es auch kommen: Eine Sprecherin Geislers meinte auf Anfrage, dass der Landeshauptmannstellvertreter zu einem persönlichen Gespräch bereit sei: "Einem solchen steht nichts entgegen".

(APA)