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Impfstoff-Allianz will „Marktmacht“ aufbauen

US-Präsident Trump will dafür sorgen, dass ein Covid-19-Impfstoff zuerst in den USA zum Einsatz kommt.
US-Präsident Trump will dafür sorgen, dass ein Covid-19-Impfstoff zuerst in den USA zum Einsatz kommt.(c) APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI
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Donald Trump will, dass die USA als Erstes den Corona-Impfstoff bekommen. Die EU versucht gegenzuhalten.

Wien. Schon vor einigen Wochen hat der US-amerikanische Präsident, Donald Trump, beschlossen, verschiedene Pharmaunternehmen mit Zuschüssen in Milliardenhöhe zu unterstützen. Solche nämlich, die schon bald einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt haben könnten. Astra Zeneca erhielt für ihre Forschungsarbeit bereits 1,2 Milliarden Dollar. Aber noch weitere zehn Milliarden Dollar will Trump vornehmlich US-amerikanischen Konzernen wie etwa Johnson & Johnson, Moderna und Pfizer geben. Seine „Freigiebigkeit“ knüpft er an eine Bedingung: Jedes dieser Unternehmen muss, sobald es einen tauglichen Impfstoff entwickelt hat, zuerst die USA damit versorgen – niemanden sonst.

Man kann sicher sein, dass Trump den Pharmaunternehmen enormen Druck macht. Er vergleicht die Entwicklung des Impf-stoffs mit jener der Atombombe während des Zweiten Weltkriegs. Schon im Oktober 2020, sagte er, rechne er mit den ersten einsatzfähigen Wirkstoffen. Eine Erwartung, die unrealistisch erscheint. Selbst die optimistischsten Experten erwarten nicht, dass es einen Impfstoff vor dem Frühjahr 2021 geben könnte.

 

Kein Interesse an Kooperation

In der EU ist man von dem rüden Verhalten der USA befremdet, hat man doch schon vor Monaten versucht, sich mit Washington auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Doch dort bestand an einer Forschungskooperation überhaupt kein Interesse. „Speed kills“, scheint die Devise zu sein. Eine internationale Zusammenarbeit, bei der man sich ständig austauschen muss, ist da nur kontraproduktiv.

Nun haben sich die bevölkerungsstärksten Länder der EU entschlossen, das Wettrennen um einen Corona-Impfstoff aufzunehmen, um den USA das Feld nicht kampflos zu überlassen.

Nach Angaben der deutschen Tageszeitung „Handelsblatt“ haben sich vier EU-Mitglieder, nämlich Frankreich, Deutschland, Italien und die Niederlande, zu einer sogenannten Impfstoff-Allianz zusammengeschlossen. Sie soll bereits mit mehreren Pharmaunternehmen – darunter auch Astra Zeneca – über staatliche Forschungsgelder und Abnahmegarantien verhandeln.

Tatsächlich wäre es für Europa enorm wichtig, dass die Gespräche mit den Biotech- und Pharmafirmen erfolgreich verlaufen.

 

Marktmacht ist entscheidend

Schließlich gilt es zu verhindern, dass die Verteilung des ersehnten Impfstoffs weltweit ungleich verläuft. Eine zeitverzögerte Distribution hätte im Fall von weiteren Pandemien nämlich nicht nur verheerende gesundheitliche Konsequenzen für die Bevölkerung Europas, sondern sie würde den Kontinent genauso sehr wirtschaftlich in die Bredouille bringen.

Genau das ist den Mitgliedern der Impfstoff-Allianz nur allzu bewusst. Aus Regierungskreisen in Berlin heißt es, dass es deshalb dringend notwendig und geboten sei, eine „Marktmacht“ aufzubauen, um im Ringen um den Impfstoff bestehen zu können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2020)