Schnellauswahl
Streamingtipps

Diese 6 Filme auf Netflix & Co. helfen, "Black Lives Matter" zu verstehen

Verdeckte Ermittler beim Ku-Klux-Klan: Adam Driver und John David Washington in „Blackkklansman“.Focus Features
  • Drucken

Der Unmut, dem die „Black Lives Matter"-Bewegung Ausdruck verleiht, schwelt nicht erst seit gestern. Auch das schwarze US-Kino rebelliert schon lange: Wir empfehlen 6 Filme, die man sich jetzt anschauen sollte.

Die wöchentlichen Streamingtipps können Sie auch als Newsletter abonnieren: Serien- und Filmempfehlungen aus dem Fundus von Netflix, Amazon und Co. landen dann jeden Freitag in Ihrem Postfach. Hier anmelden.

 

BlacKkKlansman (und mehr von Spike Lee)

Von Spike Lee, 2018
Zu sehen auf Amazon

Spike Lee reagierte schnell. Kurz nach Beginn der jüngsten US-Protestwelle gegen Polizeigewalt stellte er einen Kurzfilm namens „3 Brothers“ auf Twitter: Die Tötung der Afroamerikaner George Floyd und Eric Garner verschmilzt darin mit einer Szene aus seinem Hauptwerk „Do The Right Thing“. Lees explosive Fiktion aus dem Jahr 1989 bleibt nach wie vor traurige Realität, deren Anklage der Regisseur auch mit 63 nicht müde wird. Im Scheinfrieden der Obama-Jahre war sein knalliges Agit-Pop-Kino nicht gefragt. Unter Trump hat es wieder Hochkonjunktur. Die bissige Neonazi-Satire „BlacKkKlansman“ markierte 2018 Lees Comeback. Doch im Kern sind alle seine Arbeiten „zur Lage“, Geschichte und Gegenwart flammen in ihren Glut- und Wutbildern zusammen. Nicht nur epische Biografien wie „Malcolm X“, auch Dokus, Konzert- und Theaterfilme wie „Pass Over“ (beide auf Netflix) sprechen, singen und schreien gegen Unterdrückungsverhältnisse an. Besonnenheit ist ihre Stärke nicht, dafür ein dialektischer Grundzug: Die Funken sprühen stets, weil Perspektiven aufeinanderprallen. Am 12. Juni zündet Lee den nächsten „Joint“, wie er seine Filme nennt – das Vietnamkriegsdrama „Da 5 Bloods“ wird auf Netflix veröffentlicht. Man darf gespannt sein.

 

LA 92

Von T. J. Martin, Dan Lindsay, 2017
Zu sehen auf Netflix

Die Unruhen, von denen die USA derzeit heimgesucht werden, sind nur das jüngste Kapitel einer langen Eskalationstradition, die auf schwelende Systemprobleme hinweist. Das vielleicht eindringlichste, weil ausgiebig dokumentierte Beispiel bilden die Ausschreitungen rund um die Exekutivmisshandlung Rodney Kings, die Los Angeles 1992 kurzzeitig in Kriegsgebiet verwandelten. Die Doku „LA 92“ montiert Archivmaterial aus allen möglichen Quellen zu einer bitteren Sinfonie der Verwüstung, die den abstrakten Begriff „Ausnahmezustand“ intensiv spürbar macht. Empfehlenswerte Ergänzung: Spike Lees Mitschnitt von Roger Guenveur Smiths verzweifeltem Bühnenmonolog „Rodney King“ (auch auf Netflix).


Killer of Sheep

Von Charles Burnett, 1978
Zu sehen auf milestone.vhx.tv - Update: leider nicht mehr kostenlos

Aus gegebenem Anlass machen aktuell einige US-Videodienste Klassiker des schwarzen US-Kinos aus ihren Online-Katalogen frei verfügbar. Eine der schönsten dieser Laufbildspenden: Charles Burnetts „Killer of Sheep“, zu sehen auf der Homepage des Verleihers Milestone Films. Das poetisch-realistische Porträt eines Familienvaters, der sich im LA-Ghetto Watts an der Aufgabe abmüht, ein menschenwürdiges Dasein zu fristen, blieb lange Zeit verdrängt und unentdeckt. Inzwischen wurde die an Wochenenden vor Ort gedrehte No-Budget-Großtat restauriert und von der Kongressbibliothek offiziell in den Filmkulturkanon der USA eingefasst. Eine Sichtungsgelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

When They See Us

Serie von Ava DuVernay, 4 Folgen, 2019
Zu sehen auf Netflix

1989: Eine weiße Frau wird im New Yorker Central Park vergewaltigt. Täter sind schnell zur Hand: Fünf schwarze Teenager, die widersprüchliche Geständnisse ablegen. Der Fall wird zum Politikum, das über den Schuldspruch hinaus spaltet. Nach neuen Beweisen kommt es 2014 zur Entschädigung der Verurteilten. Ava DuVernays Miniserie „When They See Us“ zweifelt keine Sekunde an der Unschuld der „Central Park Five“. Ihre Kritik gilt Schnellschussjustiz, sozialer Ächtung – und Donald Trump, der damals mit einem programmatischen Zeitungsstatement Stellung bezog: „Mayor Koch has stated that hate and rancor should be removed from our hearts. I do not think so. I want to hate these muggers and murderers.“

 

Menace II Society

Von Allen und Albert Hughes, 1993
Zu sehen auf Amazon

Dass Gewalt zum Alltag vieler Afroamerikaner gehört, ist allgemein bekannt. Unlängst zeichnete das Netflix-Drama „All Day and a Night“ ein tristes Sittenbild der Stadt Oakland. Dessen wichtigster Vorläufer „Menace II Society“ spielte im damaligen Brennpunkt Los Angeles – und ist fast noch beklemmender in seiner Schilderung eines Milieus jenseits des amerikanischen Traums, das jeden Besserungsversuch im Keim erstickt – und aus dem nur der Tod einen Ausweg weist.

 

Fruitvale Station

Von Ryan Coogler, 2013
Zu sehen auf Netflix

Bevor Ryan Coogler mit „Creed“ und „Black Panther“ frischen Wind in Blockbustergefilde brachte, sorgte er mit seinem Debüt „Fruitvale Station“ für Aufsehen: Der letzte Tag im Leben von Oscar Grant III (stark: Michael B. Jordan), dem ein Polizist 2008 im Zuge von Silvesternachtkonflikten in den Rücken schoss, wird hier einfühlsam und relativ klischeefrei nachinszeniert – als bittersüßes Echo einer komplizierten Existenz, deren abrupt-absurdes Ende sprachlos zurücklässt.

>> Mehr Streamingtipps gibt es hier.

Mehr erfahren

Streamingtipps

Streamingtipps: Ab ins kühle Nass!