Schnellauswahl
Black lives Matter

Anti-Rassimus-Demo in Wien: Wieder Tausende Teilnehmer - und eine rechte Störaktion

Demo vor der US-Botschaft in Wien
Demo vor der US-Botschaft in Wien(c) APA/HANS PUNZ
  • Drucken

Am Freitagabend gab es in Wien erneut eine große Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt - diesmal vor der US-Botschaft. Eine kurze Störaktion von rechten Aktivisten wurde rasch unterbunden.

Rechtsradikale Aktivisten haben am Freitagnachmittag versucht, die "BLACKLIVESMATTER"-Kundgebung vor der US-Botschaft in Wien zu stören. Kurz nach Beginn der Demonstration um 17 Uhr ließen die Aktivisten ein Plakat vom Dach des Studentenwohnheimes in der Boltzmanngasse  - unmittelbar über der Menge der Demonstranten -, das die Aufschrift „Our Lives Matter“ und Namen von Menschen, die mußtmaßlich von Zuwanderern ermordet worden waren, trug.

Die Menge der Demonstranten stimmte darauf promt in „Nazis raus“ und „Alerta Antifascista"-Rufe ein. Und kurz kam es in der Boltzmanngasse zu Tumulten: Erst zu den Rufen „Wiener Polizisten schützen die Faschisten“, als der Zugang zum Studentenheim abgeriegelt wurde.

Bewohner des Studentenheims rissen schließlich unter großem Jubel der Demonstranten das Plakat von einem Fenster unter dem Dach. Als die Rechtsextremen das Haus verließen, kam es zu einem Handgemenge. Einer von ihnen wurde von einer ganz in schwarz gekleideten Gruppe von Teilnehmern der Anti-Rassismus-Demo gestellt, durch die Gasse abgeführt und schließlich der Polizei übergeben. Dort, vor dem Polizeiauto, saß der junge Mann schließlich lange und sichtlich aufgelöst auf dem Asphalt, seine Daten wurden aufgenommen. Ob er einer Gruppe angehört, wurde zunächst nicht bekannt. In der Menge wurden Spekulationen über die Identitäre Bewegung laut - auch in Sozialen Netzwerken gab es einige Hinweise darauf.   

Demo-Teilnehmer in Schwarz führen einen derer, die das Transparent aufgehängt hatten, ab.
Die Presse/Imlinger

Aber von dieser kleinen anfänglichen Episode in der Boltzmanngasse hatte ein großer Teil der Teilnehmer der Kundgebung - die sich zunächst an der Straßenecke nahe der US-Botschaft (nicht aber direkt davor) sammelte und bis in die angrenzenden Gassen reichte - erst auch gar nichts mitbekommen. Da zeigten sich eher Bilder, wie man sie vom Tag davor, dem Donnerstag, in Wien schon kannte: Lauter, bunter, sehr junger, friedlicher Protest.

Erneut an die 10.000 Teilnehmer

Schon am Vortag waren rund 50.000 Teilnehmer durch die Innenstadt gezogen. Eine Schätzung der Teilnehmerzahl wollte die Polizei diesmal vorerst nicht vornehmen, und auch vor Ort ließ sich nicht sagen, wie viele Teilnehmer es waren. Zumindest einige Tausend müssen es gewesen sein. Von den Veranstaltern war zunächst von bis zu 10.000 Teilnehmern die Rede. „Gestern schon 50.000, was ist denn das für eine Botschaft!“, die Euphorie und Freude über den großen Zuspruch brachte auch einer der Redner der Demo am Freitag zum Ausdruck.

„Heute geht es um uns, um die Betroffenen“ 

Viele Leute hielten Schilder in die Höhe, so war neben "Black lives matter" etwa "A change is coming", "Kann nicht atmen" oder "Wir sind auch Wien" zu lesen. Hinter dieser Botschaft versammelten sich auch die, so die klare Botschaft der Veranstalter, wichtigsten Teilnehmer. „Schwarze und People of Colour, kommt nach vorne, versammelt euch hinter dem Schild ,Wir sind auch Wien'. Heute geht es um uns. Unsere Allies, Freunde, weiße Menschen, schließt euch bitte hinten an. Betroffene nach vorne, heute geht es um uns, unsere Anliegen, unseren Schmerz“, sagte Imoan Kinshasa, eine der Organisatorinnen und eine Sprecherin bei der Demo.

Ihr Aufruf zeigte Wirkung, eindrucksvolle Szenen folgten: Ein Spalier aus weißen Demo-Teilnehmern, die die Betroffenen selbst ganz an den Beginn des Demozuges auf dem Weg durch die Währinger Straße nach vorne ziehen ließ, sich erst dahinter anschloss. Geplant ist die Kundgebung bis 22 Uhr, neben Reden sollen auch schwarze Künstler für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgen.

Botschaft zeigt sich solidarisch

Die US-Botschaft in Wien dankte schon im Vorfeld in einer Aussendung den Demonstranten „für das Zeichen der Solidarität mit der amerikanischen Zivilgesellschaft". Die friedliche Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung sei eines der wichtigsten Freiheitsrechte und eine Österreich und die USA. „Wir stehen gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung, nicht nur in den Vereinigten Staaten und Österreich, sondern weltweit. Die Vereinigten Staaten sind nicht perfekt, aber wir stehen immer für freie Meinungsäußerung und Bürgerrechte ein", hieß es in der Stellungnahme der US-Botschaft. (cim)

(APA/Red.)