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Gratis Starthilfe für die digitale Transformation

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Homeoffice war coronabedingt in wie nie zuvor. Das Digital Team Österreich hilft Österreichs Unternehmen bei der Digitalisierung.

„Eigentlich ist die Umstellung auf Homeoffice überraschend gut gelaufen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass fast jeder unserer Mitarbeiter einen IT-Background hat und die entsprechenden Werkzeuge nutzen kann.“ Michael Hurnaus, CEO und einer der Gründer des oberösterreichischen Unternehmens Tractive, gehört zu jenem Teil der österreichischen Unternehmen, die rasch und flexibel auf die Coronakrise reagieren konnten. Das war nicht bei allen so. Vor allem in der Gastronomie und im Gewerbe hinterließ der Lockdown tiefe Furchen. Die Arbeitslosigkeit in Österreich schnellte nach Ausbruch der Coronakrise um satte 51 Prozent auf rund eine halbe Million Menschen nach oben. Anders bei Tractive: Die Firma hat im selben Zeitraum fünf neue Leute eingestellt. Mehr als 80 Mitarbeiter aus 27 Ländern umfasst das Team mittlerweile. Was Tractive macht? Das Unternehmen ist mittlerweile der weltweit größte Anbieter von GPS-Trackern für Haustiere.

Mobile Kommunikation gestiegen

Wie stark der Lockdown die österreichische Gesellschaft, das Freizeitverhalten und die Wirtschaft bzw. die Art des Arbeitens verändert hat, zeigen einige Daten: So etwa der Covid-19 Community Mobility Report von Google. Der Report zeigt, wie sich Besuche und die Aufenthaltsdauer an bestimmten Orten im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit verändert haben. Während Geschäfte aus dem Bereich Lebensmittelhandel, Drogerie und Apotheken ein Plus von 13 Prozent aufwiesen, sank die Mobilität im Bereich „Retail & Recreation“ (Shoppingcenter, Einzelhandel, Museen, Kinos, Vergnügungsparks etc.) um 49 Prozent. Auch bei den Arbeitsstätten verzeichnete der Google-Report ein Minus von 45 Prozent. Die den Österreicherinnen und Österreichern verordnete Einschränkung der Mobilität hat auf der anderen Seite das Kommunikationsverhalten tiefgreifend beeinflusst. Laut einer Auswertung des Forum Mobilkommunikation stieg die Anzahl der Gesprächsminuten pro Tag um 81 Prozent. Das Datenvolumen stieg im Schnitt um 30 Prozent.

Über Nacht ausgerufene „Digitalisierungsoffensive“

Grund für den Anstieg bei Telefonie und Datenvolumen war nicht zuletzt die „Bitte“ der Bundesregierung, wo es möglich sei, Telearbeit im Homeoffice einzuführen. Diese quasi über Nacht ausgerufene „Digitalisierungsoffensive“ stellte zahlreiche Unternehmen, hier vor allem Klein- und Mittelbetriebe, vor extreme Herausforderungen. Zwar ist das Thema Digitalisierung längst in den Unternehmen angekommen, wie die Studie „Digitale Transformation von KMUs in Österreich 2019“ zeigt, laut der die Mehrheit der 800 befragten KMUs in die Kategorien „digital bewusst“ und „digital orientiert“ fällt. Doch die Voraussetzungen für eine radikale Umstellung auf das digitale Arbeiten binnen kürzester Zeit sind nicht unbedingt überall gegeben. Als größte Herausforderung in puncto Digitalisierung sahen die Unternehmen 2019 in der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Dahinter folgte gleich das Thema fehlende finanzielle Ressourcen, das 41 Prozent der Studienteilnehmer nannten. Daran dürfte sich nach dem verordneten Lockdown des Landes wenig geändert haben. Im Gegenteil: Die Unternehmen hatten mit wegbrechenden Umsätzen und ausbleibenden Einnahmen bei weiterhin laufenden Kosten zu kämpfen.
 
Rasche Hilfe für drei Monate kostenlos

Wohl nicht zuletzt mit diesem Wissen im Hinterkopf hat Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck rasch auf die vollkommen veränderten Umstände reagiert. Schon wenige Tage nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen veranlasste sie die Gründung des „Digital Team Österreich“. Die Idee dahinter: IT-Unternehmen sollten auf freiwilliger Basis ihre Digitalisierungslösungen für KMUs in Österreich für zumindest drei Monate kostenlos zur Verfügung stellen. Insbesondere die Bereitstellung von Tools für Videokonferenzen, Office-Lizenzen sowie Sicherheitslösungen für das Arbeiten von zu Hause aus waren in der ersten Phase gefragt. „Wenn wir die Unternehmen dazu aufrufen, dass sie ihren Mitarbeitern Homeoffice gewähren sollen, dann müssen wir auch die nötigen Möglichkeiten dafür schaffen. Das umfasst beispielsweise die Öffnung der Bandbreite aber auch die Nutzung von Softwarelösungen für Video-Konferenzen oder Security-Lösungen“, so die Ministerin.


100 Unternehmen im Digital Team Österreich

Knapp ein Monat nach dem Start der Initiative hatten sich bereits 100 Unternehmen mit 113 verschieden Services beteiligt. Die Leistungen umfassten zahlreiche Bereiche. „Wirtschaft hilft Wirtschaft“ lautete das Motto, dem Mobilfunkunternehmen wie A1, Magenta oder Drei ebenso folgten wie große und kleine IT-Unternehmen. Voraussetzung für eine Aufnahme ins Digital Team Österreich war die Forderung, dass die Unternehmen für zumindest drei Monate ihre digitalen Services und Lösungen gratis zur Verfügung stellen. Die allermeisten Teilnehmer der Initiative bieten ihre Dienste bis Ende Juni kostenlos an. Alle Anbieter im Digital Team Österreich finden sich auf dem Unternehmensservice-Portal der Bundesregierung unter folgendem Kurzlink: https://bit.ly/digitalteamaustria

Am Ende des Tages, oder besser gesagt, am Ende der coronabedingten Einschränkungen, könnte die Initiative die digitale Transformation der österreichischen Wirtschaft dauerhaft positiv beeinflussen. Denn wer sich erst einmal an den Einsatz digitaler Lösungen und Techniken gewöhnt hat, wird diese auch in Zukunft nutzen, wenn sie eine Arbeitserleichterung bringen.