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Kinderbuch der Woche: Sich treiben lassen in Knallbunt

(c) Atlantis
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„Die Presse" liest Neuerscheinungen. Diesmal eine Frau in einer Kompaktwelt, ihrem Kiosk. Ein herrlich leichtes Abenteuer, das zum Klassiker werden könnte.

Leichtfüßiges Erzählen ist eine Kunst. Wie gerne wird man von beschwingten Ideen überrascht - und wie selten passiert es tatsächlich. Die lettische Autorin Anete Melece hat mit ihrem Bilderbuch „Kiosk“ ein wunderbares Beispiel geschaffen. Da ist Olga, eine runde, rotwangige Frau mittleren Alters. Seit vielen Jahren schon führt sie einen Kiosk mit Zeitschriften, sie mag ihre Kunden, kennt ihre Wünsche. Der eine liest Horoskope, der andere läuft jeden Tag pünktlich um 10.35 Uhr vorbei und kauft eine Flasche Wasser. Und die Touristen fragen nach dem Weg zum Museum.

Manchmal wünscht sich Olga hinaus aus ihrem Geschäft, das eine kleine Welt für sich ist. Ihre Welt. Bis Jugendliche versuchen, etwas zu klauen und der Kiosk kippt. Und siehe da: Er ist nicht nur transportabel, sondern sogar ein Transportmittel. Olgas Weg bis zum Meer ist eine herrlich humorvolle Geschichte über das Leben an sich. Über das, was uns einengt und das, was wir daraus machen können. Die kraftvollen und knallbunten Illustrationen stammen von der Autorin, sie sind ebenso achselzuckend fröhlich wie die Geschichte. Ein Buch, das zum Klassiker werden könnte.

Anete  Melece: Der Kiosk. Erschienen bei Atlantis, 40 Seiten, 15 Euro. Alter: Ab fünf Jahren.

 

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