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Neues Programm

Salzburger Festspiele: Handke-Uraufführung, Elektra, Così fan tutte

Der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Intendant Markus Hinterhäuser
Der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Intendant Markus Hinterhäuser.(c) APA/NEUMAYR/LEO (NEUMAYR/LEO)
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Die Corona-bedingt gekürzten Festspiele bieten immerhin zwei Opern, drei Theaterstücke und ein reiches Konzertrogramm.

„Wo der Wille erwacht, dort ist schon fast etwas erreicht": Gleich zu Beginn der Präsentation des adaptierten Festspielprogramms zitierte Präsidentin Helga Rabl-Stadler aus Hugo von Hofmannsthals „Buch der Freunde". Willen hat sie in den letzten Monaten bewiesen, indem sie gegen ein Biotop von Unken an den Festspielen festhielt; die helle Freude, dass es erreicht wurde, sah man ihr an: „Ich habe keine Minute daran gezweifelt, dass wir spielen", sagte sie.

Am Festspielhaus hängen schon die neuen Plakate, die zeigen, was Rabl-Stadler und Intendant Markus Hinterhäuser am Dienstag mit Stolz präsentieren konnten: ein zwar stark gekürztes, aber doch repräsentatives Programm, das durchaus mehr bietet als den „Jedermann“. Diesen selbstverständlich auch, ab 1. August, insgesamt sechs Mal, auch am 22. August, also genau hundert Jahre nach der Uraufführung. Dieser „Jedermann-Tag“ soll gefeiert werden, zwar Covid-bedingt ohne festliche Massen, aber mit fünf Jedermännern, die durch die Stadt gehen sollen. Und mit einer Rede von Elisabeth Orth, der letzten in der Serie „Reden über das Jahrhundert“, in der sonst Alexander Kluge und Georg Baselitz (1. 8.), Navid Kermani (9. 8.) und am 15. 8. die ursprünglich für die Eröffnungsrede vorgesehene Anita Lasker-Wallfisch, Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz, sprechen.

Orchester wird getestet

Im Programm bleiben konnte „Elektra" von Richard Strauss, inszeniert von Krzysztof Warlikowski. Franz Welser-Möst wird an sechs Abenden (1., 6., 10., 16., 21. und 24. August) die Philharmoniker dirigieren, und zwar in voller Besetzung, wie vom Komponisten vorgeschrieben. Das ist möglich, ohne die Corona-Vorschriften zu brechen: Die über hundert Orchestermusiker, die den Sicherheitsabstand von einem Meter nicht einhalten können, werden allwöchentlich getestet. "Elektra" habe auch den pragmatischen Vorteil von „überschaubarer Dauer und überschaubarem Personal“, so Hinterhäuser.

Die zweite Oper ist eine Überraschung, stand nicht im ursprünglichen Spielplan. Geplant waren Mozarts „Don Giovanni“ und „Zauberflöte , nun kommt „Così fan tutte“ im Großen Festspielhaus (2., 5.., 9., 12., 15., 18. August), dirigiert von Joana Mallwitz, inszeniert vom deutschen Regisseur Christof Loy, der 2011 in Salzburg die „Frau ohne Schatten“ inszeniert hat. Es singen u.a. Marianne Crebassa die Dorabella und Johannes Martin Kränzle den Don Alfonso. Inszenierung und Bühnenbild sollen sparsam sein und „nicht ganz beziehungslos zu dem, was wir in den letzten Monaten erlebt haben“, so Hinterhäuser, es werde aber dennoch gewiss kein „Covid fan tutte“.

Theater gespielt wird 2020 nur in Salzburg, nicht auf der Halleiner Pernerinsel. Im Landestheater findet wie geplant die Uraufführung von Peter Handkes „Zdenek Adamec“ statt (2., 4., 7., 9., 12., 13. 15., 16. August), inszeniert von Friederike Heller. In der Szene Salzburg inszeniert Milo Rau das Einpersonenstück „Everywoman“, eine von ihm und Schauspielerin Ursina Lardi verfasste Variation über den „Everyman“ (19., 20., 22., 23., 27., 28. August).

Das unerwartet reiche Konzertprogramm bringt neun Konzerte – mit vier Programmen – der Wiener Philharmoniker, zwei mit den Berliner Philharmonikern und je eines mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien und mit dem West-Eastern Divan Orchestra. Igor Levit spielt seinen Beethoven-Zyklus, in der Kollegienkirche läuft die Serie „Fragmente“, u.a. mit „in vain“ von Georg Friedrich Haas und Werken von Salvatore Sciarrino. Es gibt drei Kammerkonzerte, vier Mozart-Matineen, Solistenkonzerte mit Grigory Sokolow, Arcadi Volodos, Daniel Barenboim, Renaud Capucon, András Schiff und Daniil Trifonow, Liederabende mit Matthias Goerne und Benjamin Bernheim, zwei Konzerte mit der Camerata Salzburg sowie die vierteilige Reihe „Canto Lirico“.

Keine Pause, keine Buffets

Alle Aufführungen werden ohne Pause stattfinden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, es wird auch keine Buffets geben. Es herrscht generelle Maskenpflicht außer an den Sitzplätzen. Diese werden nach dem Schachbrettmuster besetzt, auf die in der Verordnung vorgesehene Möglichkeit, dass Vierergruppen mit kleinerem Abstand beinander sitzen können, will man verzichten. Um bei einem etwaigen Ansteckungsfall das „Contact Tracing“ zu erleichtern, werden die Eintrittskarten personalisiert.

Viele Konzerte wurden vom Mozarteum ins Haus für Mozart verlegt, in dem sich ungefähr so viele Zuhörer auf viel größerem Raum verteilen. Dennoch ist die Gesamtmenge an Karten naturgemäß stark geschrumpft: von 230.000 auf 80.000. Diese werden nun zunächst – bis 13. Juli – den bisherigen Kartenkäufern angeboten, allerdings darf jede Person nicht mehr als zwei Karten kaufen. Derzeit sind keine Bestellungen möglich.

Die Festspiele dauern von 1. bis 30. August. Es versteht sich, dass sich bis zu ihrem Beginn noch die Bedingungen ändern können, die das Virus uns diktiert. Es sei auf jeden Fall „ein Gang auf dünnem Eis“, sagte Markus Hinterhäuser, der fast stündlich die Corona-Zahlen auf dem Handy verfolgt; er habe sich schon in der Zeit des Lockdown, als das Festspielhaus ein Geisterhaus war, mit einem Satz von Karl Valentin getröstet. „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ Im selben Sinn nannte Rabl-Stadl das Motto, das ihr Hans Landesmann, der ehemalige kaufmännische Direktor der Festspiele, vererbt hat: Man solle keinen „Vorschuss auf Zores“ nehmen.

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