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Anti-Rassismus

Wie rassistisch ist die Kosmetikindustrie?

(c) imago images/Westend61 (Veam via www.imago-images.de)
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Angesichts der Anti-Rassismus-Proteste spenden Beautyunternehmen großzügig. Nur PR-Zweck in einer Branche, die für ihr „Whitewashing" bekannt ist?

Als Musikerin Rihanna 2017 ihr Kosmetiklabel mit 40 verschiedenen Make-up-Nuancen lancierte, revolutionierte sie damit die Mainstream-Beautyindustrie. Jahrzehntelang hatte die Schönheitsindustrie Frauen abseits des westlichen Schönheitsideals ausgeklammert, Rihannas „Fenty Beauty" setzte sich nun erstmals öffentlichkeitswirksam mit dem „Whitewashing" der Beautyindustrie auseinander.

Viele Unternehmen zogen daraufhin mit, mittlerweile haben sich viele Marken Inklusion und Diversität auf die Fahne geheftet und ihr eigenes Sortiment an Make-up-Nuancen erweitert. Ein Schritt in die richtige Richtung, doch noch lange nicht das Ende des Weges, meint auch Funmi Fetto, Beautykolumnistin und Autorin des Buches „Palette: The Beauty Bible for Women of Colour“, das 2019 erschien.

Das Versagen einer ganzen Industrie

Es gehe nicht nur um Make-up, sondern vielmehr um Repräsentation und Gleichstellung, so Fetto. Viele Frauen jeden Alters und jeder Profession würden sie ansprechen und um Produktempfehlungen bitten. „Wenn all diese Frauen Probleme damit haben, Produkte und 'Profis' zu finden, die noch immer nicht wissen, was sie mit dunklerer Haut und Afro-Haaren anstellen sollen, dann versagen Schönheitsindustrie, Einzelhändler, Marken, Vermarkter und Redakteure", meint sie im Gespräch mit dem „Guardian“.

Diversität und Inklusion sind momentan zwar Schlagwörter, ohne die es in der Beauty- und Modeindustrie nicht geht, doch steckt dahinter mehr als bloß ein Marketingmittel? „Im Inneren ist die Mehrheit der Führungskräfte in großen Schönheitsunternehmen Weiß“, schreibt „WWD“. Diese weißen Entscheidungsträger haben aber große Macht, da sie mit ihrer Auswahl, etwa was die Werbung angeht, das Bild der Schönheitsideale prägen.

Mangel an dunkelhäutigen Mitarbeitern

Aus diesem Grund hat Sharon Chuter, die in Nigeria geborene Gründerin des Kosmetikunternehmens Uoma Beauty, die Kampagne #PullUpOrShutUp auf Instagram lanciert. Unternehmen sollen in Solidarität mit der Black-Lives-Matter-Bewegung die Zahlen ihrer schwarzen Mitarbeiter (auch jene in Führungspositionen) veröffentlichen. Das solle ein Bewusstsein für den Mangel an dunkelhäutigen Mitarbeitern schaffen.

Denn die Solidarität und die Spenden der vielen Beauty-Unternehmen angesichts der Black-Lives-Matter-Bewegung sind zwar löblich, wirkliche Veränderung muss jedoch auch im Inneren stattfinden. Dass das mitunter nicht ganz so ist, zeigt die Kontroverse um L'Oreal. Model Munroe Bergdorf kritisierte das Unternehmen stark, nachdem es auf Instagram ebenfalls Solidarität mit den Anti-Rassismus-Protesten bekundet hatte. Das sei lediglich ein PR-Stunt, so das Transgender-Model. Monroe war 2017 eine L'Oréal-Kampagne gekündigt worden, weil sie sich damals öffentlich gegen Rassismus aussprach.

>>> „Guardian"

>>> „WWD"

(chrile)