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Transphobie-Vorwürfe

Daniel Radcliffe distanziert sich von J. K. Rowlings Aussagen

(c) Getty Images (Thomas Kronsteiner)
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Mit einem Tweet, der als transfeindlich aufgenommen wurde, hat sich die Autorin viel Kritik eingeholt. Nun nimmt auch Harry-Potter-Star Daniel Radcliffe dazu Stellung.

„Transgeschlechtliche Frauen sind Frauen“ schreibt Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe in einem Beitrag für „The Trevor Project“, einer Organisation, die sich für Menschen aus der LGBTQ-Community einsetzt. „Jede Äußerung, die dem widerspricht, löscht die Identität und Würde von Transmenschen aus". Außerdem widerspreche es auch den Ratschlägen jeglicher professioneller Gesundheitsorganisationen, die über weitaus mehr Fachwissen zu diesem Thema verfügen als Rowling oder er selbst.

Hintergrund: Die Erfolgsautorin hat am Wochenende mit einem Tweet eine Welle der Empörung ausgelöst. Darin nahm sie Stellung zu einem Meinungsbeitrag einer Online-Plattform, in dem die Rede von „People who menstruate“ ist, also von „Menschen, die menstruieren“. Rowling: „Ich bin mir sicher, früher hat es einen Begriff für diese Leute gegeben, kann mir jemand helfen?“, und spielte mit diversen Wortschöpfungen auf den Begriff „Women“, also „Frauen“ an.

In den Kommentaren darunter beschwerten sich einige Nutzer. „Hallo, ich bin ein Mann, auch ich menstruiere“, hieß es dort etwa, andere betonten die Intention der Verfasserinnen, auf inklusive Sprache Wert zu legen und mit der Phrase nicht nur Frauen, sondern „Frauen, Mädchen und Personen mit nichtbinärer Geschlechtsidentät" zu meinen.

Rowlings darauf folgende Tweet-Serie brachte ihr den Vorwurf der Transphobie ein - übrigens nicht zum ersten Mal. Sie schrieb: „Wenn es kein (Anmerkung Redaktion: biologisches) Geschlecht gibt, gibt es auch keine gleichgeschlechtliche Anziehungskraft.“ Dann werde die Lebensrealität von Frauen weltweit ausgelöscht. Ihr eigenes Leben sei durch ihre weibliche Identität geprägt worden. Auch ihr Tweet: „Ich kenne und liebe transsexuelle Menschen“, konnte die Diskussion nicht entschärfen. Sie wolle auch deren Rechte respektieren, aber stelle man das Konzept des biologischen Geschlechts infrage, könne man nicht mehr sinnvoll über das Leben von Männern und Frauen diskutieren. "Es ist kein Hass, die Wahrheit zu sagen."

„Ein besserer Unterstützer sein"

„78 Prozent aller Transgender- und nichtbinärer Jugendlichen haben laut eigenen Angaben schon Diskriminierung aufgrund ihrer Geschlechtsidentität erlebt“, schreibt Radcliffe daraufhin in seiner Stellungnahme.  "Wir müssen mehr tun, um diese Menschen zu unterstützen, anstatt ihre Identität für ungültig zu erklären und mehr Schaden anzurichten."

Einige User erklärten Rowling auch, ihre Harry Potter Bücher nun wegwerfen zu wollen. Auch an sie wandte sich Radcliffe: „Ich hoffe, dass ihr nicht verliert, was euch an diesen Büchern so wertvoll war. Wenn diese Bücher euch gelehrt haben, dass Liebe die stärkste Kraft des Universums ist, [...] und dass die Stärke in der Vielfalt liegt, [...] dann ist das eine Sache zwischen euch und dem Buch. Und das ist heilig.“ Er hoffe, auch die getätigten Aussagen würden daran nichts ändern.

Zu Beginn betont Daniel Radcliffe, dass sein Statement wohl als Zerwürfnis zwischen ihm und J.K. Rowling aufgefasst und dargestellt werden würde. Dies sei aber nicht der Fall, darum gehe es nicht. Er selbst sehe sich aber in der Pflicht, Stellung zu beziehen. Und er appelliert auch an seine Mitmenschen, sich mit der Lebenssituation von Trans-Menschen zu befassen. „Auch ich lerne noch immer, wie ich ein besserer Unterstützer sein kann.“ In diesem Sinne verweist er auf einen Ratgeber der Organisation, dem „Guide to Being an Ally to Transgender and Nonbinary Youth“.

(bsch)