"Cougar Town": "Schlampe" aus Notwehr

(c) ORF (Randy Holmes)
  • Drucken

TV-Kritik: Die Madonna aus der Vorstadt. In der neuen US-Serie "Cougar Town" entdeckt Courteney Cox nach ihrer Scheidung ihre Vorliebe für junge Männer.

Der junge Mann auf dem Bett macht große Augen, als sich ihm die vierzigjährige Immobilienmaklerin in Unterwäsche präsentiert: „Woher stammt denn die Narbe auf deinem Bauch?“– „Von einer Messerstecherei, als ich jung war“, kontert Jules (Courteney Cox). Die Augen werden größer, schließlich seufzt Jules: „War ein Scherz. Kaiserschnitt.“

Dialoge wie diese sind Schlafzimmerroutine in „Cougar Town“. Denn „cougar“, zu Deutsch Puma, bezeichnet das, was man früher eine Mrs. Robinson nannte: eine (etwas) ältere Frau, die sich gezielt viel jüngere Männer als Partner sucht. Wobei sich der Begriff, der zwischen abwertend und anerkennend mäandert, nur in zweiter Linie vom silbrigen Fell, in erster aber vom Jagdinstinkt des Berglöwen ableitet. Jules, die Heldin der ABC-Serie „Cougar Town“, die am Montag in ORF1 (22.40Uhr) startete, ist allerdings gar kein richtiger „cougar“, keine nimmersatte Samantha („Sex and the City“), keine Leopardenmini-Eddie („Desperate Housewives“). Eher erinnert sie an Nancy aus „Weeds“: Wo diese zur Drogendealerin mutiert, um nach dem Tod ihres Mannes das Middle-Class-Idyll ihrer Familie zu erhalten, wird Alleinerzieherin Jules nach der Scheidung zum Puma im zweiten Bildungsweg. Zur tollpatschigen, aber entschlossenen Jägerin. Zur „Schlampe“ aus Notwehr quasi.

Hektisch, plakativ, aber ordinär?

Denn im schmucken Städtchen in Florida haben Damen ab der zweiten Lebenshälfte kaum Auswahl: Die Männer ihrer Altersklasse sind „vergeben, pervers oder beziehungsgeschädigt“ oder schleppen wie ihr attraktiver frisch geschiedener Nachbar Grayson lieber junge Studentinnen ab. Bitter. Bitter auch: Jules, die mit Anfang 20 ihren Sohn bekam, kennt Party, Alkohol und Rock'n'Roll nur vom Hörensagen. Alles also gute Gründe, um sich an der Hand ihrer jungen Assistentin in die Welt der schummrigen Bars, der bunten Drinks und des unverbindlichen Sex aufzumachen. Erzählt wird das plakativ und hektisch, aber mitunter auch wirklich lustig. Zumindest werden das jene finden, die den Humor der Arztserie „Scrubs“ mochten, die ebenfalls aus der Feder der „Cougar Town“-Erfinder Bill Lawrence und Kevin Biegel stammt. „Ordinär“ und „respektlos“ – das Urteil einiger TV-Kritiker in den USA, wo „Cougar Town“ nur mittelmäßige Quoten erreichte, kann man hingegen nicht so richtig verstehen. Zeigt die Serie doch einen gesellschaftlichen Trend, den Reportagen in US-Magazinen viel schonungsloser abbilden: Cougar-Foren, Misswahlen und Singleabende mögen Madonna und Demi Moore zum Vorbild haben, allein: Der Alltag ist nicht Hollywood. Insofern ist es zwar mutig, dass sich Cox (die lustigerweise selbst mit einem Jüngeren zusammenlebt) vor der Kamera ins dezent lose Bauchfleisch zwickt, aber eben nur mutig in TV-Starkörper-Dimensionen.

Dass die Ambivalenz des Cougar-Phänomens trotzdem transportiert wird, ist denn auch eine der Stärken der Serie, die die Frauen weder lächerlich macht, noch als feministische Heldinnen stilisiert. Denn dass alte, hässliche Frauen mit Kleingeld hübsche, junge Männer bezirzen, das gibt es nicht einmal im Fernsehen. Stattdessen kämpfen die Cougars mit alltäglicher Unsicherheit, biologischen Ungerechtigkeiten und lästiger weiblicher Selbstreflexion: „Ich wollte nie eine von denen werden, und nun ist es passiert“, sagt Jules.

Allerdings, so darf der Zuseher ins Blaue raten, nicht für lange. Irgendwann wird Jules ihre Toyboys und Nachbar Grayson seine Studentinnen satthaben, und es wird zusammenkommen, was altersmäßig zusammengehört. Aus dem Puma wird wieder ein Kätzchen. Schade eigentlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2010)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.