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Management

Warum CEOs ihren Unternehmen einen Vorteil verschaffen

Auch in stürmischen Zeiten bestehen.
Auch in stürmischen Zeiten bestehen.(c) EPA (Robert Vos)
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Die Boston Consulting Group erhob den Status quo und ermittelte, was CEOs berücksichtigen sollten, um ihre Erfolgschancen tendenziell zu verbessern.

Inmitten der aktuellen Krise sollten sich Führungskräfte nicht nur darauf konzentrieren, den Sturm zu überstehen, sondern auch Chancen nützen und ihre Unternehmen für die Zukunft neu auszurichten. Mit anderen Worten: Ein Abschwung bietet bessere Chancen, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, als stabile Zeiten.

Die Rolle der CEOs ist gerade in Krisenzeiten wie jetzt für Unternehmen entscheidend für den Erfolg. Deshalb sah sich die Boston Consulting Group (BCG) an, welchen Effekt CEOs auf die Performance eines Unternehmens haben und untersuchte dazu die Amtszeiten von 7.000 CEOs weltweit, um herauszufinden, wie sehr und in welcher Weise CEOs den Leistungsverlauf ihrer Unternehmen beeinflusst haben.

Dabei hat BCG eruiert, wie sich der Total Shareholder Return eines Unternehmens im Vergleich zu den Konkurrenten entwickelt hat. Zusätzlich hat sich BCG das Controlling angesehen und mit der Branche im Allgemeinen sowie der früheren Unternehmensleistung verglichen.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Neue CEOs bewirken oft eine signifikante, nachhaltige Veränderung der Outperformance ihres Unternehmens. Die best performenden 20 Prozent der CEOs übertrafen ihre Branche im Laufe ihrer Amtszeit um neun Prozentpunkte pro Jahr, wobei auch andere Faktoren berücksichtigt wurden, während das unterste Fünftel um elf Prozentpunkte unterdurchschnittlich abschnitten.
  • Der CEO-Effekt nimmt tendenziell mit zunehmender Größe ab. Die Spanne, die durch den CEO-Effekt verursacht wird, ist bei kleineren Firmen größer (vor allem aufgrund des höheren Wachstumspotenzials), aber es gibt einen signifikanten Leistungsspanne in Unternehmen aller Größenordnungen
  • Einige Maßnahmen sind in fast allen Kontexten mit dem Erfolg von CEOs verbunden. Leistungsstarke CEOs sind eher geneigt, einen langfristigen Strategieansatz zu verfolgen, M&A-Aktivitäten zu beschleunigen, die ESG-Werte (Nachhaltigkeit) ihres Unternehmens zu erhöhen und dem Thema Diversity einen relevanten Stellenwert zu verschaffen.
  • Andere Maßnahmen der CEOs sind nur unter Berücksichtigung anderer Faktoren mit Erfolg des Unternehmens in Verbindung zu bringen. Beispielsweise ist die Umgestaltung eines Unternehmens erfolgreicher, wenn CEOs das im ersten oder zweiten Jahr ihrer Amtszeit angehen.
  • Die meisten persönlichen Eigenschaften von CEOs (u.a. Art der Einstellung, frühere Erfahrung des CEO, Geschlecht, Alter und Ausbildung) haben keinen Einfluss auf die durchschnittliche Leistung.
  • Auch die Persönlichkeit der CEOs hat einen begrenzten Einfluss auf den Erfolg. Auf der Grundlage einer externen Beurteilung der Persönlichkeitsmerkmale von CEOs, die mit Hilfe von Techniken der natürlichen Sprachverarbeitung vorgenommen wurde, stellt BCG fest, dass kein Profil den Erfolg garantiert oder ausschließt.
     

Das sollten CEOs berücksichtigen, um ihre Erfolgschancen tendenziell zu verbessern:

  • Besser sein als der Durchschnitt. Obwohl das Ausmaß des CEO-Effekts in einigen Kontexten größer und in anderen geringer sein kann, gibt es in jeder Branche und in jeder Art von Unternehmen eine beträchtliche Kluft zwischen den obersten und den untersten CEOs. Konkret heißt das, die Kluft in der Performance ist zwischen einzelnen Unternehmen einer bestimmten Branche viel größer als zwischen den Branchen. Infolgedessen sollten sich Führungskräfte weniger auf "best practice" und mehr auf Innovation konzentrieren, um besser als der Durchschnitt zu sein.
  • Auch in Krisenzeiten kann man sich einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil verschaffen. In wirtschaftlichen Abschwüngen nimmt die Volatilität des Wettbewerbs zu. 14% der Unternehmen gelingt es, sowohl das Umsatzwachstum als auch die Gewinnspanne zu erhöhen. Zudem ist eine langfristige, wachstumsorientierte Perspektive wichtig, um gestärkt aus einem Abschwung hervorzugehen.
  • Notwendige Aktivitäten identifizieren und präventiv handeln. Erfolgreiche CEOs handeln rasch - sie tauschen unterdurchschnittlich performende Management-Teams und zögern nicht, die notwendigen Änderungen im Unternehmen anzugehen. Notwendige Veränderungen sollten zudem präventiv eingeleitet werden.
  • Ein nicht-durchschnittlicher und dynamischer strategischer Ansatz als Erfolgsrezept. Traditionell bestand die Rolle der Unternehmensführung oft darin, klare Ziele zu setzen und Pläne zur Zielerreichung zu definieren. In einem zunehmend unsicheren und schnelllebigen Kontext sind klassische Planungsprozesse jedoch nicht immer der beste Ansatz. Dementsprechend haben Führungspersönlichkeiten, die übermäßig "zielorientiert" sind, tendenziell schlechtere Leistungen erbracht, insbesondere in disruptiven Branchen. Die erfolgreichsten Führungskräfte wählen für jeden Teil des Unternehmens einen anderen Strategieansatz und setzen auf dynamische und/oder kreative Ansätze.
  • Einen positiven sozialen Zweck artikulieren und erfüllen. In zunehmendem Maße werden Spitzen-CEOs aufgefordert, einem breiteren Spektrum von Interessengruppen zu dienen als nur den Aktionären. Auf lange Sicht müssen Unternehmen Werte für die Gesellschaft schaffen, um weiterhin Talente, Kunden und Kapital anzuziehen. Die erfolgreichsten CEOs kümmern sich um diese Fragen, indem sie einen Unternehmens-Zweck formulieren, der über die Maximierung finanzieller Erträge hinausgeht und verbessern ihre Leistung auch in Bereichen jenseits der Finanzen. Die Erwartungen an den sozialen Beitrag der Unternehmen steigen, und die Führungskräfte werden zunehmend nachhaltige Geschäftsmodellinnovationen verfolgen müssen, um eine Optimierung von unternehmerischem und gesellschaftlichem Nutzen zu erreichen.