Die Wirtschaftskrise droht, den Umfang fauler Kredite in Europas Bankbilanzen auf eine Billion Euro zu verdoppeln. Das mindert die Fähigkeit der Banken, den Wiederaufbau zu finanzieren.
Brüssel. Kreditkartenschulden, Hypotheken, Autokauf auf Pump: Europas Banken haben seit der großen Finanzkrise vor einem Jahrzehnt noch immer rund 500 Milliarden Euro an Privatkrediten in ihren Büchern stehen, die von den Verbrauchern realistisch betrachtet nie zurückgezahlt werden können. Im Zuge der Corona-Rezession wird sich dieses Problem der faulen Bankkredite deutlich verschärfen. Eine Verdoppelung auf eine Billion Euro an uneinbringlichen Darlehen wird branchenweit als realistisch betrachtet. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wieder diskret an einem Plan arbeitet, den sie vor zwei Jahren noch als politisch unmöglich zu den Akten gelegt hatte: die Gründung einer EU-weiten Bad Bank, die mithilfe staatlicher Garantien den Banken die faulen Kredite abnimmt.
Die Nachrichtenagentur Reuters enthüllte, dass die EZB zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe gegründet habe. Eine ihrer Überlegungen sehe so aus: Der Euro-Rettungsschirm ESM würde sich als Garant hinter eine Pleiteholding stellen. Derart abgesichert würde diese Bad Bank Anleihen begeben, die die Kreditinstitute gegen ihre faulen Kreditportefeuilles tauschen könnten. Diese neuen Anleihen dürften sie dann bei der EZB hinterlegen, um sich von der Notenbank Geld zu leihen und somit flüssig zu bleiben.