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Black Lives Matter

Boris Johnson: "Extremisten vereinnahmen Proteste"

"was a racist" - so sah die Statue von Winston Churchill nach Vandalenakten in London aus. Nun wurde sie sicherheitshalber ganz verbarrikadiert.
"was a racist" - so sah die Statue von Winston Churchill nach Vandalenakten in London aus. Nun wurde sie sicherheitshalber ganz verbarrikadiert.REUTERS
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Der britische Premierminister nannte Vandalismus an der Statue seines historischen Kriegs-Vorgängers "absurd und schändlich“. Manche Aussagen Churchills seien heute inakzeptabel. Die wachsende Gewalt bei Anti-Rassismus-Protesten sei aber unannehmbar.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat die wachsende Gewalt am Rande der Anti-Rassismus-Proteste (nicht nur) in Großbritannien verurteilt. "Die Proteste wurden leider von Extremisten mit gewalttätigen Absichten gekapert", schrieb er am Freitag auf Twitter, und verurteilte auch Angriffe auf Denkmäler, die Demonstranten im Zuge der Proteste ins Visier genommen hatten.

Außerdem seien Attacken auf Polizisten durch Demonstrationsteilnehmer und andere gewaltsame Vorfälle in der vergangenen Woche, etwa Plünderungen und Brabdstiftungen, "unerträglich" und "abscheulich".

Der Regierungschef empörte sich insbesondere über einen Angriff auf eine Statue des früheren Premierministers Winston Churchill (1874-1965) im Zentrum Londons. Demonstranten hatten am Wochenende den Schriftzug "War ein Rassist" auf das Denkmal gesprüht.

„Rettung vor rassistischer Tyrannei"

Es sei "absurd und beschämend", dass die Statue jenes Mannes, der das Land im Zweiten Weltkrieg gegen Hitlerdeutschland und dessen Verbündete wie Italien, Japan und Rumänien geführt hatte, Angriffen ausgesetzt sei, erklärte Johnson. Sie sei eine "stete Erinnerung an seine Errungenschaft, dieses Land - und ganz Europa - von einer faschistischen und rassistischen Tyrannei gerettet zu haben".

Churchill habe manchmal aber auch Meinungen zum Ausdruck gebracht, die inakzeptabel seien. "Ja, er hat manchmal Meinungen vertreten, die inakzeptabel waren und sind, aber er war ein Held und er hat dieses Denkmal verdient", betonte Johnson. "Diese Statuen lehren uns etwas über unsere Vergangenheit, mit all ihren Fehlern." Er warnte vor Versuchen, "unsere Vergangenheit umzuschreiben oder zu zensieren". Johnson hatte 2014 unter dem Titel "The Churchill Factor" auch eine Biografie des legendären Politikers veröffentlicht. Auf Deutsch erschien das Buch 2015.

Churchill mit Maschinenpistole, Sommer 1940
Churchill mit Maschinenpistole, Sommer 1940imago/United Archives Internatio

Aus Sorge vor Beschädigungen bei Anti-Rassismus-Protesten ist die Statue Churchills (1874-1965) vor dem Parlament am Freitag mit Brettern verkleidet worden. Auch das nur wenige hundert Meter entfernte zentrale Kriegerdenkmal Cenotaph wurde sicherheitshalber verbarrikadiert. Verschiedene Gruppen aus der nicht unumstrittenen „Black-Lives-Matter"-Bewegung ("Schwarze Leben zählen") haben für dieses Wochenende in Großbritannien zu Demos gegen Rassismus und Polizeigewalt aufgerufen. Dabei werden Gewaltakte erwartet. Rechtsextreme Gruppen kündigten umgekehrt an, Denkmäler zu "schützen". Ausgelöst wurden die Proteste durch den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA Ende Mai bei einem Polizeieinsatz.

Sieg über die Nazis, aber heute inakzeptable Aussagen

Winston Churchill (Premier 1940-1945 und 1951-1955) hat in mehreren belegten Aussagen seine Ansichten über menschliche Rassen kundgetan, worauf in den letzten Jahrzehnten immer wieder Historiker hinwiesen. 1937 soll er der königlichen Palästinensischen Kommission etwa gesagt haben": "I do not admit for instance, that a great wrong has been done to the Red Indians of America or the black people of Australia. I do not admit that a wrong has been done to these people by the fact that a stronger race, a higher-grade race, a more worldly wise race to put it that way, has come in and taken their place."

(In etwa: „Ich erkenne zum Beispiel nicht an, dass den Roten Indianern Amerikas großes Unrecht zugefügt worden sei oder den schwarzen Menschen von Australien. Ich erkenne nicht an, dass ihnen ein Unrecht zugefügt worden sei durch die Tatsache, dass eine stärkere Rasse, eine höhergradige Rasse, eine weisere Rasse, um es so auszudrücken, gekommen ist, und ihren Platz eingenommen hat.")

In Bristol hatten Demonstranten die Skulptur des Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel gerissen und ins Hafenbecken geworfen. Sie wurde inzwischen geborgen und soll in einem Museum ausgestellt werden. Im Lauf der Woche wurden mehrere Statuen in London von Behörden abmontiert, weil sie an Persönlichkeiten erinnerten, die in Sklavenhandel verwickelt waren. Auch in anderen Landesteilen gab es Forderungen, die Statuen umstrittener Persönlichkeiten zu entfernen. In Belgien fiel eine Statue von König Leopold II. den Protesten zum Opfer.

(APA/dpa/Reuters)