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Feiern

Tanzen mit Mundschutz

Ein Rapkonzert auf einer slowakischen Autorennstrecke Anfang Juni. Bald sperren in der Slowakei auch die Klubs wieder auf.
Ein Rapkonzert auf einer slowakischen Autorennstrecke Anfang Juni. Bald sperren in der Slowakei auch die Klubs wieder auf.(c) APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK (VLADIMIR SIMICEK)
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Die Grelle Forelle hat ein Konzept vorgelegt, wie Clubs wieder öffnen können. Die Zeit drängt, bald öffnen die Clubs in Bratislava.

Wien. Den Nasen-Mundschutz wäre man auf der Tanzfläche nicht los. Der ist (vorerst) fixer Bestandteil des Konzepts, mit dem die Grelle Forelle – und mit ihr andere Clubs – in Wien wieder öffnen könnten. Ebenso sieht das Konzept, das auf der Homepage des berühmten Wiener Elektro-Clubs veröffentlicht wurde, nur Vorverkaufskarten und Timeslots vor, in denen die Gäste gestaffelt in den Club gelassen werden. Am Eingang wird jedem Gast die Körpertemperatur gemessen, Hände desinfizieren ist Pflicht.

Jeder Gast hinterlegt außerdem eine Email-Adresse, auf der er verpflichtend für Contact-Tracing erreichbar ist. Bezahlt wird nur mit Karte, an der Bar werden ausschließlich Einwegbecher verwendet. „Die Lautsprecher rund um die Bar werden für die Dauer der Maßnahmen deaktiviert.“ So können die Gäste einen größeren Abstand bei der Bestellung der Getränke einhalten und werden durch den MNS verstanden, heißt es in dem Konzept. Die Mitarbeiter werden alle 14 Tage auf Covid-19 getestet. Wichtig auch die Veranstaltungsregeln, über die die Gäste aufgeklärt werden: „Wir tanzen auf der Tanzfläche alleine oder in der eigenen Kleingruppe und halten Abstand zu anderen Personen. Wir teilen keine Getränke“, wird als angeführt. Die erste Party könnte so mit 500 Gästen (etwa ein Drittel weniger als sonst) am 1. August starten.

„Wir wollten zeigen, dass Clubs nicht nur jammern und sich auch Gedanken um Sicherheit machen“, erklärt Gerald van der Hint, Betreiber der Veranstaltungsreihe Fish Market und mit dem Grelle-Forelle-Team Mastermind hinter dem Konzept. Kommende Woche hat van der Hint bereits im Gesundheitsministerium einen Termin, wo das Konzept (das dem Vernehmen nach gut angekommen sei) besprochen werde, und wo auch Clubs als Safe Space für die LGBTQ-Community Thema sein wird. Für letzteres engagiert sich van der Hint sehr.

 

Clubleben wie in Asien

Glaubt er wirklich, dass die Österreicher mit MNS-Maske tanzen werden? „Garantiert. Das funktioniert im asiatischen Raum auch schon“, sagt er zur „Presse“. Er stellt sich das so vor: Getanzt wird mit Maske, mit ihr werden auch Getränke bestellt und dann trinkt man diese ohne Maske – etwa auf der Terrasse der Forelle, die freilich nicht beschallt ist. So verläuft der Abend bis zur Sperrstunde um sechs in der Früh. An einem generellen Outdoor-Konzept arbeitet die Forelle nicht. „Da sind in Wien die Auflagen so streng, das wäre die absolute Notlösung.“ Das Konzept habe jedenfalls innerhalb kurzer Zeit für große Resonanz bei anderen Clubs gefunden, die sofort gefragt hätten, ob sie es auch verwenden dürfen. Der Bedarf ist also da. Und ein Handeln notwendig. Schon alleine wegen Bratislava.

Dort sperren in den nächsten Tagen die Clubs wieder auf. Van der Hint weiß schon jetzt, dass dann viele Wiener einfach die 45 Minuten dorthin zum Feiern fahren werden. „Also entweder man macht die Grenzen dicht oder man schaut, dass es mit fairen Spielregeln hier klappt. Gar nichts anzubieten wird gar nicht möglich sein.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2020)