Schnellauswahl
Zu Fuß

Weitwandern in Bayern: Stadt, Land, Donau

Eine der eindrucksvollsten Stellen am Donau-Panoramaweg: die Weltenburg und der Donaudurchbruch
Eine der eindrucksvollsten Stellen am Donau-Panoramaweg: die Weltenburg und der Donaudurchbruch(c) Getty Images/iStockphoto (magann)
  • Drucken

Die besten Etappen für ein kleines Zeitfenster? Beim neuen Donau-Panoramaweg von Neustadt an der Donau über Regensburg nach Passau sind es definitiv die ersten vier.

Flussauen, Felsdurchbrüche, Streuobstwiesen und kleinere Städte – auf dem Wanderweg durch den Bayerischen Jura und entlang der Ausläufer des Bayerischen Waldes hat die Donau eine traumhafte Landschaft erschaffen. Blau ist sie zwar nicht immer, aber ihr grüner Schimmer beruhigt ungemein. An mehreren Kiesstränden kann man zwischendurch die Füße erfrischen.

Los geht's in Neustadt an der Donau. Zu Fuß sind es 2,5 Kilometer bis nach Bad Gögging, der malerischen Heimat des Hopfens – im größten zusammenhängenden Anbaugebiet der Welt, der Hallertau. Frischer Hopfen- und Heuduft erhellt nicht nur das Gemüt, sondern das „grüne Gold“ wirkt auch entspannend, abgesehen vom Biergarten. Im Bad Gögginger Hotel Eisvogel etwa gibt es kaum eine Spa-Anwendung ohne Hopfen.

Donaudurchbruch bei der Weltenburg

Das Wissen um Hopfen lässt sich dann gleich erweitern. Direkt am Hotel startet der Weg, erst entlang des Flusses Abens, begleitet von der Stille der Felder, die korrekt „Hopfengärten“ heißen. Ab und zu überholen ein paar Paddler, ab und zu ein paar Radler. Dazwischen: Ruhe und Natur. Mit der erster ist es nach 16 Kilometern vorbei. Aus gutem Grund: Die älteste Klosterbrauerei der Welt ist erreicht, die Weltenburg, gegründet um 600. Und das ist nicht das einzige Highlight, denn schöner kann es gar nicht liegen am Donaudurchbruch, im Naturschutzgebiet der Weltenburger Enge. Was sich dort in den Jurafels zwischen Weltenburg und Kelheim eingegraben hat, war ursprünglich nur ein Donau-Nebenfluss. Zwischen Neuburg und dem Etappenziel Kelheim fräste er sich immer tiefer in den Untergrund, bis schließlich vor 150.000 Jahren eine erste Verbindung zur Urdonau entstand, die fortan das Bett ihres einstigen Nebenflusses übernahm.

Kleine Abkürzung mit dem Schiff

Seitdem zwängt sich die Donau durch die Weltenburger Enge zwischen 80 Meter hohen Felsen. Am besten anzuschauen vom Wasser aus bei einer Schifffahrt nach Kelheim (spart sieben Kilometer Fußweg). Majestätisch dann der Blick hinauf zum Michelsberg zur imposanten Befreiungshalle, die König Ludwig I. zum Gedenken an die siegreichen Schlachten gegen Napoleon errichten ließ. Wer müde Beine hat, steigt an der Schiffsanlegestelle direkt in die Ludwigsbahn und legt den Weg über die Altstadt bequem zurück.

Zwischen- oder Etappenziel am Donau-Panoramaweg: die schöne Stadt Regensburg.
Zwischen- oder Etappenziel am Donau-Panoramaweg: die schöne Stadt Regensburg.(c) Getty Images (Nikolay Pandev)


Zurück in Kelheim werden im Café am Donautor die Energiereserven mit einer Spezialität aufgefüllt: Bananen-Rouladen, die dort blechweise weggehen.
Die nächste Etappe startet entlang des Donau-Main-Kanals nach Bad Abbach, immer ganz nah an der Donau, die da behäbig dahinfließt. Später führt der Weg über die etwas höheren Hänge entlang des Jurasteigs. Im Kurpark oder in der Kaiser-Therme kann der Wandertag nach fast 20 km ausklingen.

Uralte Wurstbraterei in Regensburg

Die gleiche Wegstrecke gilt es zum nördlichsten Punkt des Donau-Panoramawegs auf der dritten Etappe zu bewältigen – mit etwas Wald und Auf und Ab. Ein besonderer Abschnitt ist der schmale und teils felsumrahmte Hangpfad (2,2 km) des Naturschutzgebiets Max-Schultze-Steig, das Stadt und Land verbindet. In Regensburg selbst deponiert man den Rucksack am besten gleich im originellen Hotel Rosi – dann sind es nur wenige Meter ins Zentrum der Unesco-Welterbestadt mit ihren mittelalterlichen Häuserzeilen und dem „Bruckmandl“, das von der Steinernen Brücke zum gotischen Dom zeigt. Stärkung gibt's direkt unterhalb am Donau-Ufer in der Historischen Wurstkuchl, weltweit ältester Betrieb dieser Art. Sie ist seit mehr als 850 Jahren in Familienbesitz, in der hauseigenen Fleischhauerei werden auch Senf und Sauerkraut hergestellt.

Tag vier (20 km) startet über die Steinerne Brücke durch das hübsche Viertel Stadtamhof. Wer hier schon Lust auf Süßes hat, geht in die Kuchenbar, dann über den Donauradweg zum Donaudamm. Später trifft man auf den – höhenmäßig wie kulturell betrachtet – Höhepunkt der Etappe, die Walhalla, wieder ein Ruhmestempel König Ludwigs I. Der Blick hinab ist prächtig! Weiter geht's bis Bach an der Donau und zurück per Schiff nach Regensburg. Die Zeit bis zur Abreise füllen – naheliegend – Bratwürstl, Kraut und Bier.

IMMER DER DONAU ENTLANG

Extra-Tour 1: Ein Tag mit dem Donaufischer: Frühmorgens geht es mit Lothar Ziegler auf die Donau. Seine Familie betrieb über Generationen die Fähre in Eining und besitzt dort seit Hunderten Jahren Fischerrechte. Zudem ist Ziegler gelernter Fischerwirt und Vor-sitzender der Fischereigenossenschaft in Kelheim mit über 45 km Fischwasser. Beim ersten Sonnenstrahl werden die Netze, die direkt an den Felsen des Donaudurchbruchs gesetzt wurden, eingeholt oder über die Kiesbänke gezogen. Danach wird der Fang, vom Aal bis zum Zander, sortiert und zubereitet. Info: tourismus@ bad-goegging.de
Extra-Tour 2: Naturtourismus für alle
Der Landkreis Kelheim macht Naturschätze auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität leicht zugänglich, mit extra Info-Points und speziellen Tablets bei Holzbänken. In Bad Gögging gibt es etwa ein kleines Moorbecken, um Moor riechen und spüren zu können.
Donau-Panoramaweg: 220 km, flach, zehn Etappen, flexible Einstiege, gut kombinierbar mit Bahnfahrten. Kein Gepäcktransport. Unterkünfte: Pension bis Hotel. In beide Richtungen begehbar. Hinter Passau knüpft der Panoramaweg an den Donausteig an, der sich über 400 km durch Österreich windet. www.donaupanoramaweg.de
Tipp: Kompass Wanderkarte 160 „Niederbayern“; „Erlebniskarte Römerspuren – radeln, wandern, erleben in Ostbayern und Oberösterreich“: 15 Stationen von Bad Gögging bis Enns; App: Auf den Spuren der Römer
Infos: www.ostbayern-tourismus.de
Compliance: Die Reise wurde unterstützt vom TVB Ostbayern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2020)