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USA: Kein Geld mehr für Asphaltstraßen

In weniger besiedelten Gegenden, etwa in Ohio oder Michigan, werden asphaltierte Wege durch Schotterstraßen ersetzt, da eine Renovierung zu teuer wäre. Laut Habermann seien die USA auf dem Weg in die Steinzeit"


In abgelegenen Gegenden werden asphaltierte Wege durch Schotterstraßen ersetzt. Eine Renovierung ist zu teuer. Die USA seien auf dem Weg „in die Steinzeit".
New York (sr). Sie sind mit ein Symbol des amerikanischen Traums von nahezu grenzenloser Mobilität: endlos weite Straßen, die kleinere Städte in abgelegenen Gegenden verbinden. Auf ihnen ziehen die riesigen Trucks der großen Speditionen ihre Spuren. Tausende Kilometer voneinander entfernte Orte können innerhalb weniger Tage problemlos erreicht werden - auch ohne Flugzeug.


In mehreren Bundesstaaten könnte diesem Traum schon bald ein böses Erwachen folgen. Die Instandhaltung der Asphaltstraßen ist zu teuer geworden. In weniger dicht besiedelten Gegenden - etwa in Ohio, North Dakota oder Michigan - haben politische Führer deshalb entschieden, beschädigte Straßen nicht zu renovieren, sondern Löcher einfach mit Schotter aufzufüllen.
Im Bundesstaat Michigan würden bereits 38 der 83 Bezirke diesen Weg gehen, berichtet das „Wall Street Journal". Demnach seien einige Bundesstraßen bereits dermaßen beschädigt, dass „Enten in den Lacken schwimmen, die sich in den Löchern gebildet haben". Immer mehr Lkw bleiben deshalb am Fahrbahnrand hängen - mit beschädigten Reifen beziehungsweise Achsen.

 

Angeschlagene Staaten


Tatsächlich kämpft nicht nur die Regierung in Washington mit einem enormen Defizit, das sich aktuellen Prognosen zufolge bis 2020 von derzeit 63 auf 90 Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen wird. Viele Bundesstaaten stehen am Rande des Bankrotts. So sorgt das von Arnold Schwarzenegger regierte Kalifornien seit Monaten für negative Schlagzeilen. Um die Insolvenz zu vermeiden, privatisiert der Gouverneur Gefängnisse und überlegt, Marihuana legalisieren zu lassen. Das soll Steuereinnahmen bringen.


So weit ist es in konservativen Staaten wie Ohio noch nicht gekommen. „Wir versuchen, unser Budget durch Einsparungen auf der Straße wieder in Ordnung zu bringen", sagt Frederick Wachtel, der Bezirksvorsteher von Coshocton County in Ohio. Da ihm für teure Asphaltierungen das Geld fehlt, müssten seine Bewohner zunächst mit Schotterstraßen das Auskommen finden.
Die Verschlechterung der Verkehrswege verletzt den Stolz vieler Amerikaner. So gehören die „Cowboys", die mit ihren Lieferwagen durch die Prärie ziehen, ebenso zum gewohnten Straßenbild wie die Lastwagen der Speditionen.


Abgesehen davon sei die Entscheidung, einst asphaltierte Straßen in Schotterwege verkommen zu lassen, keinesfalls ökonomisch, wie eine Studie der Purdue University in Michigan herausgefunden hat. „Auf Dauer verschlingt der Schotter mehr Kosten, weil viel öfter Erneuerungsarbeiten nötig sind", glaubt Studienautor John Habermann. Für ihn ist die Entscheidung, in diesem Bereich kurzfristig Geld einzusparen, eine „Rückkehr in die Steinzeit".