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Genderfragen

Design, das gendern kann

Mit der Designstudie „Dolphia“ visualisiert Karin Ehrnberger Gendernormen.
Mit der Designstudie „Dolphia“ visualisiert Karin Ehrnberger Gendernormen.Kent Johansson
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Auch kreative Gestaltung kann Geschlechterrollen widerspiegeln oder brechen. Schon leichte Brüche mit der Erwartungshaltung von Designnutzern verdeutlichen Stereotype und Genderklischees.

Entwerfen für alle – was heißt das schon? Auch Designende sind ja ihrer Wahrnehmung der Geschlechterrollen verhaftet und lassen sich gestaltend unweigerlich davon leiten. Was es bedeutet, wenn Design und Gender zusammen gedacht werden, zeigt die Publikation „Nicht mein Ding – Gender im Design“ (AV Edition) als Nachbereitung zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Ulm. Katharina Kurz und Pia Jerger haben die Schau für das Archiv der Hochschule für Gestaltung Ulm zusammengestellt, sie fungieren auch hier als Herausgeberinnen.

„Menschen formen Dinge. Dinge formen Menschen“ ist eine Wahrheit, die die beiden in ihrer Einleitung zitieren, und es folgen in dem lesens- und anschauenswerten Buch zahlreiche Beispiele, die amüsieren, überraschen oder zu denken geben.

Im Kapitel „Spielen und Erziehung“ wird etwa jenseits von üblichen Pink- oder Himmelblau-Entscheidungsfindungen auf die stereotype Aufmachung von Spielzeugklassikern so bekannter Marken wie etwa Lego hingewiesen. Ein in Lego-Technic-Aufmachung erarbeiteter Bausatz eines Kinderwagens von Studierenden in Hannover und Berlin zeigt zum Beispiel auf, wie leicht sich mit Erwartungen im Spielzeugregal brechen lässt.

Unter den vielen anderen vorgestellten Projekten besonders erwähnenswert ist auch Karin Ehrnbergers Visualisierung von Gendernormen im Design: Ihre Bohrmaschine „Dophia“ und der Stabmixer „Mega Hurricane“ haben kurzerhand Genderrollen im Design getauscht und formen so im Nu neue Bilder von den mit ihnen potenziell hantierenden Menschen.