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Fußballanalyse

Drei Zweiklassengesellschaften

Altach gewinnt 2:0 gegen St. Pölten.
Altach gewinnt 2:0 gegen St. Pölten.(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Oliver Lerch)
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Altach oder Austria, einer dieser Klubs spielt im Europa-League-Play-off, der Rest der Qualifikationsgruppe ringt um den Klassenerhalt. An Salzburgs Stärke herrscht kein Zweifel.

Wien. Im Kampf um die Meisterschaft gibt es auch in dieser Saison letzten Endes kein umhinkommen an RB Salzburg. Zu stark, zu versiert, ausreichend Personal und Ressourcen – am Seriensieger werden sich im Lauf der Jahre wohl noch einige Kontrahenten aufreiben. Kleinere Schwächephasen werden auch immer schneller ausgemerzt, der Quell dieser Probleme ist ohnehin altbekannt. Der Seriensieger verliert respektive verkauft serienweise Spieler. Sie seit Jahren stets optimal zu ersetzen, ist die wahre, hohe Kunst.

Damit wäre Österreichs Fußball an sich fast schon erklärt. Freilich sind Rapid, WAC oder auch Lask, Trainingseinheiten hin und Proteste her, respektable Gegner. Nur wenn es im Finish einer Saison um die entscheidenden Punkte geht, war auf Salzburg immer Verlass. Ob es der Konkurrenz lieb war oder nicht. Cupsieg, Meisterschaft – Salzburg degradierte die Bundesliga zu einer Zweiklassengesellschaft.

Seit Einführung der Play-offs gibt es auch noch im „Unterhaus“ der Bundesliga eine weitere, wenngleich kompliziert anmutende, aber doch real begreifbare Leistungsgrenze. Und in dieser Saison sorgen Altach und Austria früh dafür, dass nur noch zwei von sechs Vereinen mit dem Einzug in das Europa-League-Play-off rechnen können. Der Rest befindet sich längst im Abstiegskampf.

 

Aus dem Keller nach Europa

Mit Siegen haben sich die Vorarlberger (2:0 gegen St. Pölten) und die Austria (4:1 in Mattersburg) von der Konkurrenz abgesetzt. Nach nur vier von zehn Runden schaut es für Altach mit dem Liga-Play-off sehr gut aus. Da Cupsieger Salzburg sicher auf den ersten vier Plätzen landen wird, bestreiten die zwei besten Teams der Qualifikationsrunde ein Halbfinale, ehe es im Hin- und Rückspiel gegen den Fünften der Meistergruppe um den letzten Europacup-Startplatz gehen wird.

Als momentaner Leader der Qualigruppe hat Altach seine internationale Aussicht um sechs Punkte abgesichert. Formkurve und Leistung sprechen ebenfalls für die Truppe von Alex Pastoor. In den vergangenen elf Partien hat sie bei sechs Siegen nur einen Ausrutscher (0:2 bei Admira) hingelegt. Seit der Ligafortsetzung nach der Coronapause ist der Ländle-Klub ungeschlagen.

Austria liegt durch das verlorene Duell (0:2) einen Zähler zurück. Coach Christian Ilzer durfte sich in Mattersburg jedoch über ein seltenes Erfolgserlebnis freuen: Es war der erst zweite Auswärtssieg in dieser verkorksten Saison. Das Erreichen des Europacups ist das letzte noch mögliche Ziel, es wäre für die Violetten sogar durchaus essenziell. Schließlich will der klamme Verein damit auf sich aufmerksam machen und einen Investor anlocken, der bereit ist für 49 Prozent der Austria AG – kolportiert – zehn Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Ohne internationale Bühne wird das ein sehr schwieriges Schauspiel.

 

Solo im Aufstiegskampf

Selbst in der Ersten Liga, sie wurde trotz großer Skepsis mancher Klubs nach der Corona-Unterbrechung doch wieder gestartet, herrscht eine große Kluft. An der Spitze thront SV Ried (5:0 gegen Kapfenberg). Die Oberösterreicher stehen nach ihrem 16. Saisonsieg weiter an der Tabellenspitze und rechnen ob des Vorsprunges von acht Punkten auf den ersten Verfolger, Austria Klagenfurt, fix mit dem Aufstieg. (fin)

 

Qualifikationsgruppe  26. Runde

1. Altach
2. Austria
3. WSG Tirol
4. Mattersburg
5. Admira
6. St. Pölten

Ergebnisse: Altach – St. Pölten 2:0, Mattersburg – Austria 1:4, Admira – WSG Tirol 0:3.

Dienstag: Admira – Altach, St. Pölten – Mattersburg (je 18.30 Uhr), Austria – WSG Tirol (20.30).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2020)

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