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Parfumkolumne

Riechstoff: Synästhetisches Geruchskino

Kanonisch. "Le temps perdu" von Salle Privée, 100 ml um 190 €. "Beau de jour" von Tom Ford, 50 ml um 110 €.
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Womit hätte sich Catherine Deneuve sich als sextolle Bourgeoise in Luis Buñuel "Belle de jour" eingedüftelt? Wie hätte "Du côté de chez Swann" so gerochen?

Besonders weit ist man mit Experimenten für das voll synästhetische Geruchskino ja nie gekommen: Schade eigentlich, denn so weiß man nicht, wie, sagen wir, Catherine Deneuve sich als sextolle Bourgeoise in Luis Buñuel "Belle de jour" (1967) eingedüftelt hätte. Zehn Jahre später hätte die Figur gewiss "Opium" getragen, eingekleidet war sie schließlich auch zur Gänze von Yves Saint Laurent.

Tom Ford nun, selbst im Nebenberuf Filmemacher, hat mit seinem neuesten Männerduft "Beau de jour" quasi das Parfumpendant zu Buñuel vorgelegt: Eine sehr klassische Angelegenheit, was auch stimmig ist. Ein frigider Gigolo, der sich an Nachmittagen aus Fadesse mit Matratzensport die Zeit vertreibt, würde wahrscheinlich wirklich in einer solchen Lavendelwolke einherschreiten: Übung somit gelungen.

Literarisch ist die Inspiration für einen Duft des Nischenlabels Salle Privée, gegründet von dem Niederländer Patrick Munsters (im Vorleben übrigens Mitbesitzer der Modemarke Scotch & Soda). "Le temps perdu" soll Prousts Meisterwerk evozieren, riecht aber (glücklicherweise) nicht nach süßem Madeleine-Sandteig, sondern ist eine Holz-Amber-Moschuskomposition mit viel Iso-E-Super. Letzteres ist ein Garant für Spritzigkeit, zumindest im Anfangsakkord bläst einem hier aber eine verholzte Wodkanote entgegen. Hätte "Du côté de chez Swann" so gerochen? Hätte man nicht eher Chartreuse genossen? Fragen, auf die auch das beste Parfum keine Antwort geben kann.