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Den Reisefreiheits-Wettbewerb hätte uns die EU ersparen können

Sonne und Strand in den dänischen Dünen? Deutsche dürfen in Dänemark bereits Ferienhäuschen mieten, Österreicher nicht.
Sonne und Strand in den dänischen Dünen? Deutsche dürfen in Dänemark bereits Ferienhäuschen mieten, Österreicher nicht.via REUTERS
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Österreich öffnet heute seine Grenzen für die meisten EU-Bürger. Nicht in allen EU-Ländern sind Österreicher aber willkommen. Die EU hätte dem Grenzöffnungs-Zirkus der letzten Wochen ein Konzept entgegensetzen müssen.

Österreich öffnet heute seine Grenzen. Fünf Außenminister winken einander deshalb in Wien zu. Man klopft sich auf die Schulter und wirbt nebenbei eifrig um Touristen. „Corona-frei" ist das neue Zauberwort. Doch von Reisefreiheit sind wir noch weit entfernt - auch EU-weit. In Österreich gelten zwar ab Dienstag bei der Einreise aus fast allen europäischen Staaten keine Beschränkungen mehr. Das heißt aber nicht, dass es umgekehrt tatsächlich genauso ist.

Dänemark macht seine Grenzen für Touristen auf, wenn sie sechs Übernachtungen buchen. Also auf an die weiten Sandstrände Jütlands? Dänemark vertraut vorerst nur Deutschen, Isländern und Norwegern. Außer man besitzt ein Ferienhaus im Land, dann dürfen selbst die noch überall kritisch beäugten Schweden ins Land.

Ein anderes Beispiel: Portugal hatte seine Grenzen für EU-Bürger offiziell nie geschlossen. Natürlich wäre im April niemand auf die Idee gekommen, sich auf den Weg zu machen. Und nach wie vor gilt: Österreich lässt Portugiesen, bzw. Menschen, die aus Portugal einreisen wollen, vorerst nicht ins Land.

Es ist ein absolutes Chaos der Grenzöffnungen, ein absurder Wettbewerb von 27 Ländern, den wir gleich doppelt erleben. Erst: Wer ist strenger und schneller beim Abriegeln. Dann: Wer ermöglicht mehr Reisefreiheit?

Man würde sich ja wünschen, es gäbe einen Zusammenschluss vieler europäischer Länder, der gemeinsam über sinnvolle Regelungen der Reisefreiheit entscheidet... Ganz ironiefrei: Immerhin hat die EU mit einer Plattform „Re-open EU“ eine Informationsplattform über den aktuellen Stand der Dinge online gestellt. Was es den Menschen aber einfacher gemacht hätte: klare Regeln, die automatisch beidseitig gelten - etwa gekoppelt mit einem Ampelsystem basierend auf den aktuellen Coroanvirus-Zahlen - ein System, an dem man sich orientieren kann. Die inner-europäischen Grenz-Diskussionen werden sich hoffentlich in ein paar Wochen erledigt haben, spätestens mit Herbst sollte eine Reise nach Dänemark ohne Kleingedrucktes möglich sein, sofern nicht die zweite Welle kommt. Doch weltweit wird uns die Frage, wohin man reisen kann und darf, noch lange beschäftigen. Und zumindest da könnte man doch ein gemeinsames, EU-weites Vorgehen überlegen.