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Topmanager wollen mehr langfristige, variable Vergütungskomponente

(c) FABRY Clemens
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„Digitalisierung“ ist das Top Thema der österreichischen Aufsichtsräte, gefolgt von der Besetzung strategischer Positionen und der Neuausrichtung des Unternehmens.

Laut der aktuellen Kienbaum-Studie „Board Vergütung im ATX 2019“ von stieg der Jahresüberschuss der ATX-Unternehmen im Vergleich zum Jahr davor um durchschnittlich fünf Prozent, während der Gesamtvorstand im Durchschnitt etwa ein Prozent mehr Grundvergütung verdiente.

Der Vorstandsvorsitzende eines ATX-Unternehmens verdient im Schnitt ungefähr die gleiche Gesamtdirektvergütung – also die Summe aus variabler und fixer Vergütung - im Vergleich zum Vorjahr. Im Median liegt der CEO bei 1.532.000 Euro jährlich. „Ein ordentliches Vorstandsmitglied kommt im Median auf eine Gesamtbarvergütung von 970.00 Euro. Also gibt es doch deutliche Unterschiede in der Höhe der Vergütung, aber auch in der Verteilung zwischen variabler und fixer Anteile“, fügt Alfred Berger, Leiter des Bereichs Compensation und Performance Management sowie Board Service bei Kienbaum Wien, hinzu.

Die durchschnittliche Anzahl weiblicher Mitglieder ist im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls gleich geblieben. Im Durchschnitt sind 0,25 Frauen pro Unternehmen in einem ATX-Vorstand. Von insgesamt 78 ATX-Vorständen sind 5 weiblich. „Das ist wirklich beschämend“, sagt Berger.

Die Vergütung der Aufseher im ATX

Ein Aufsichtsratsvorsitzender in den 20 ATX-Unternehmen erhielt 2019 im Median 56.000 Euro Grundvergütung, sowie 29.000 Euro an Ausschuss- bzw. Sitzungsgeldern. Die Gesamtbezüge beliefen sich im Median auf 79.000 Euro, wobei sich die Vergütung zwischen 35.000 Euro und 226.500 Euro mit einer sehr breiten Spreizung darstellt. Die stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden erhielten 2019 im Median 60.000 Euro, ein ordentliches Mitglied 45.000 Euro.

Zudem wurden in der Studie „Die Kernaufgaben der Aufsichtsratsarbeit – Fokussierung auf das Wesentliche!“ die Teilnehmer zum Thema Vergütungspolitik befragt. Die Vorstandsvergütung wird überwiegend als Instrument der Erfolgsbeteiligung und Steuerung verstanden. Aufsichtsräte sind verstärkt der Meinung, dass zunehmende Transparenzpflichten dazu führen, dass der Strategiebezug der Vergütung abnehmen könnte. Änderungen der Vergütungssysteme vor dem Hintergrund der Aktionärsrechterichtlinie wurden in noch keinem der teilnehmenden Unternehmen beschlossen. Auch für den Aufsichtsrat sind hierdurch keine Veränderungen der Vergütung geplant.

In Österreich geht der Wunsch bezüglich variabler Vergütung der Vorstände in Richtung Stärkung der langfristigen Vergütungskomponenten. Während sich börsennotierte Unternehmen höhere kurzfristige variable Vergütungskomponenten wünschen, kommt die langfristige Vergütung in nicht börsennotierten Unternehmen zu wenig zum Einsatz. Die kurzfristige variable Vergütung wird bei knapp zwei Drittel der Unternehmen anhand von gewinn- und ergebnisorientierten KPIs bemessen. Bei der langfristigen variablen Vergütung dominieren umsatzorientierte Kennzahlen mit 37 Prozent.

Im ATX liegt die aktuelle Gewichtung für den Vorstand bei etwa 52 Prozent Grundvergütung und 48 Prozent variabler Vergütung.

Kritische Aufsichtsräte gefragt

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Veränderungsgeschwindigkeit und Komplexität sind Offenheit und der Wille sich auf Neues einzulassen wichtig für die Rolle des Aufsichtsrats. „Moderne Aufsichtsräte wahren zudem den kritischen, unabhängigen Blick von außen trotz schnellen Veränderungen und steigenden Anforderungen an die fachliche Tiefe“, fügt Berger hinzu.

Die große Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen ist der Auffassung, dass sowohl der Informationsumfang, als auch die Komplexität der Themen für den Aufsichtsrat steigen. In Bezug auf die Ausschussarbeit stimmen die Teilnehmer zu, dass über die Bildung von Ausschüssen eine stärkere Fokussierung auf Zukunftsthemen und eine bessere Nutzung der Kompetenzen gelingen kann. Ebenso kann die Verlagerung von Themen in Ausschüsse helfen, zunehmende Komplexität zu bewältigen und Geschwindigkeit zu gewinnen.

Erfolgreiche Vorstände überzeugen mit Weitblick

Im Hinblick auf eine optimale Vorstandsbesetzung sind vor allem Kenntnisse der langfristigen strategischen Ausrichtung und Kenntnisse über das Unternehmen elementar. Der Aufsichtsrat wird allerdings oftmals über den internen Führungsnachwuchs nur unregelmäßig und wenig umfassend informiert. Welche Eigenschaften zeichnen erfolgreiche Vorstände aus? Laut der teilnehmenden Unternehmen sind vor allem Weitblick, Konsequenz, Selbstreflektion und Offenheit gefragt.

In 88 Prozent der Unternehmen bestehen keine Ziele zur Erreichung einer Frauenquote, 23 Prozent davon wünschen sich dies jedoch. „Der prozentuale Anteil der Unternehmen,
deren Aufsichtsratswahl 2019 unter Anwendung des GFMA-G stattfand, verdoppelte sich im Vergleich zu 2018 allerdings von 13 auf 27 Prozent“, sagt Alfred Berger. Unter den Kapitalvertretern des Aufsichtsrats liegt der Frauenanteil in den ATX-Unternehmen bei ca. 24 Prozent. Im gesamten Aufsichtsrat (inkl. Arbeitnehmerverteter/innen) liegt dieser bei ca. 27 Prozent.