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Anwesenheitsdokumentation

Gläserner Gast: Der Berliner Papierkrieg gegen Corona

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SymbolbildAPA/AFP/TOBIAS SCHWARZ
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Auch in den Restaurants und Bars der deutschen Hauptstadt werden Anwesenheitslisten geführt, um Kontakte von Corona-Infizierten nachzuverfolgen. Das wirft ein paar heikle Fragen auf.

Berlin. Wer in diesen Tagen in ein Berliner Lokal will, muss sich ausziehen. Also im übertragenen Sinn. Der Gast wird gläsern. Und deshalb reicht die Kellnerin in einem Café im Stadtteil Prenzlauer Berg einen DIN-A4-Zettel: „Kannst du das bitte ausfüllen und weitergeben?“ Wobei das keine Frage ist. Sondern eine Anweisung. Der Weg zum vormittäglichen Cappuccino führt nur über einen Eintrag in diese Liste, also über die Angabe von Vor- und Nachname, Anschrift, Telefonnummer, Beginn und (vermutetem) Ende des Aufenthalts. Danach wird die Liste den etwas verdutzten Gästen am Nebentisch weitergereicht.

Seit der Vorwoche ist die „Anwesenheitsdokumentation“ nicht nur beim Frisör oder im Fitnessstudio sondern auch in Berlins Gastronomie Pflicht. Erkrankt ein Gast, greifen die Behörden auf die Listen zu und rufen die Besucher durch. Also in der Theorie. Vier Wochen lang muss der Wirt die Listen aufbewahren. Geschützt vor den Blicken Dritter. Und dann soll er das Zettelwerk „vernichten“, wie es in der Verordnung heißt. Wer keine Listen führt, muss bis zu 500 Euro Bußgeld zahlen.