Am Donnerstag wird der neue Präsident der Industriellenvereinigung gewählt. Sein Job wird ungemütlich werden.
In Kürze werden wir wissen, wer für die kommenden vier Jahre der wichtigste Repräsentant der heimischen Wirtschaft sein wird. Es wird nicht der eloquente Präsident der Wirtschaftskammer, Harald Mahrer, sein können, der sich eingezwängt zwischen Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und in Konkurrenz zum umtriebigen Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten, Walter Ruck, bemüht, Aufmerksamkeit für Anliegen seiner sehr heterogenen Schar von Pflichtmitgliedern zu bekommen.
Die Interessen von gut 50.000 Einpersonenunternehmen und über 400.000 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Beschäftigtenzahl ist abgesehen von Forderungen nach Förderungen und Steuersenkungen schwierig unter einen Hut zu bringen. Die Industriellenvereinigung (IV) mit rund 4000 freiwilligen Mitgliedern ist kompakt aufgestellt und hat es vor allem geschickt verstanden, mit ihren Traineeprogrammen ihr Gedankengut und ihre Zielsetzungen einer Vielzahl von jungen, ambitionierten Menschen zu vermitteln und ein umfassendes Netzwerk von Sympathisanten aufzubauen.
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Welcher der drei Kandidaten bringt die besten Voraussetzungen für die anstehenden Herausforderungen mit? Es ist unrealistisch und kurzsichtig, möglichst rasch Anschluss an den immer mehr in Kritik geratenen wirtschaftlichen Wachstumspfad herzustellen und alle Entscheidungen und Handlungen der Ökonomie unterzuordnen. Das starke Argument „Sicherung der Beschäftigung“ wird nicht reichen, die vor allem die jüngere Generation beunruhigenden Themen wie Ökologie, Klimaschutz, Ressourcenverbrauch, ungleiche Verteilung von Wohlstand und Vermögen, internationale Migrationsbewegungen, internationale Steuergerechtigkeit und die Zukunft von Europa wegzudiskutieren. Dazu kommt jetzt noch die Frage, wer wie zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise beiträgt. Der Job des IV-Präsidenten wird eher ungemütlich sein. Den eigenen Mitgliedern aus der wichtigen Automotivindustrie und Tourismusbranche zu sagen, dass sie umstrukturieren müssen, wird auf Widerstände stoßen. Da wird es auch nicht genügen, sich mit Vehemenz gegen jede Form der Vermögenssteuer wie eine starke Erhöhung der Grundsteuer und gegen eine Erbschaftssteuer mit hohen Freibeträgen zu wehren, wenn klar ist, dass nur jemandem etwas genommen werden kann, der etwas hat oder zukünftig Einnahmen haben wird.