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Nachhaltigkeit

Der steinige Weg zur Kreislaufwirtschaft

Verpackungsmaschine der Heinzel Group: Monomaterialien im Kommen.
Verpackungsmaschine der Heinzel Group: Monomaterialien im Kommen.(c) WB/heinzel holding
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Umweltfreundlich erzeugte Mehrwegverpackungen aus Monomaterialien – so sieht die Zukunft des Verpackungsmaterials aus.

Der Bettwarenhersteller Hefel mit Produktionen in Schwarzach (Vorarlberg) und Kefermarkt (Oberösterreich) macht es vor: Seit Jahresbeginn wird das Bio-Bettwaren-Sortiment des Unternehmens nicht mehr wie bisher in Polytaschen, also dünnen Plastik-Schutzhüllen, sondern in umweltfreundliche Baumwolltaschen verpackt. Ziel ist es nach Unternehmensangaben, den Kunststoffverbrauch zu reduzieren und die Verpackung umweltfreundlich zu gestalten. „Nachhaltigkeit bei Verpackungen ist ein riesengroßes Thema“, bestätigt Manfred Tacker, Leiter des Fachbereichs Verpackung und Ressourcenmanagement an der FH Wien. Das kommt nicht von ungefähr: Das Europäische Kreislaufwirtschaftspaket, die Plastic Strategy und die Single-Use Plastics Directive der EU zielen darauf ab, Verpackungsmaterialien bis 2030 kreislauffähig beziehungsweise recycelbar zu machen. „Faktisch sollte die Verpackungsindustrie bereits 2025 so weit sein“, sagt Tacker, der in diesem Bereich großen Nachholbedarf ortet.

 

Pappe statt Polystyrol

Um dieses Ziel zu erreichen, setzen Verpackungshersteller zunehmend auf  Mono- statt Verbundmaterialien. Die Herausforderung dabei: Erstere müssen die gleiche Produktsicherheit bieten wie die Verbundstoffe und eben recycelbar sein. Statt Polystyrol kommen beispielsweise vermehrt Faserformmaterialien, etwa aus Papier, zum Einsatz. „Diese sind teurer in der Herstellung und es stellt sich die Frage des Energieverbrauchs bei der Produktion“, sagt Tacker. Natürlich gebe es auch Entwicklungen im Bereich Biokunststoffe. „Aber die dafür notwendigen Rohstoffe sollten nicht auf dem Acker wachsen, optimal wäre die Verwertung von Reststoffen wie beispielsweise Stroh“, meint Tacker. Großgeschrieben wird die Wiederverwertung etwa bei Verpackungen aus Wellpappe: Sie können zu knapp 99 Prozent recycelt werden. „Papierfasern können bis zu 25-mal verwendet werden“, betont Stephan Klaar, seit April Sprecher des Forums Wellpappe. Ebenfalls im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion in den Fokus gerückt ist das Thema Mehrwegverpackungen.

 

Verpackungen neu gedacht

Der Online-Modehändler Zalando beispielsweise hat im Herbst des Vorjahres einen Testlauf mit wiederverwendbaren Verpackungen durchgeführt. Dabei erhielten 10.000 Kunden in Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark ihre Zalando-Bestellungen in immer wieder verwendbaren Versandtaschen. Nach dem Auspacken mussten die Taschen nur zusammengefaltet, mit dem Rücksendeaufkleber versehen und in den Briefkasten geworfen werden. Ziel war eine zentrale Sammelstelle, von der aus die Taschen wiederum an die Logistikzentren verteilt wurden. Durch den nicht anfallenden Müll und den Wegfall der Produktion neuer Verpackungen kann sich der CO32-Ausstoß so um bis zu 80 Prozent reduzieren, heißt es bei Zalando.

Industrien, die den Aufbau eines wirtschaftlich tragfähigen Mehrwegverpackungssystems erwägen, müssen über die erforderliche Größe des Verpackungsmaterialpools, die Gestaltung von Systemen zur Reinigung, Inspektion und Wartung von Behältern sowie die Kosten, die Geschwindigkeit und die Benutzerfreundlichkeit von Rückwärtslogistikprozessen nachdenken. Zu diesem Schluss kommt auch der Trendreport „Rethinking Packaging“ des Logistikexperten DHL. Dieser sieht zusätzlich zu Nachhaltigkeit und Mehrwegverpackung noch andere Erfordernisse auf die Verpackungsindustrie zukommen. Etwa die Optimierung der Verpackung.  Nicht vollständig befüllte Sendungen seien eine wesentliche Ursache für Produktschäden und die Beeinträchtigung von Kosten- und Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Mit entsprechender Software könne jedoch das bestmögliche Verhältnis von Artikeln, Kartons und Paletten fachgerecht berechnet und die Ergebnisse direkt an die Kommissionierer kommuniziert werden. Smarte Verpackungstechnologien wie Smart Labels oder Tags und Maßnahmen zum Schutz der Produkte auf der letzten Meile würden weiters die Verbindung zwischen dem Kunden, der Lieferkette und der Verpackung durch Echtzeit-Updates über deren Zustand und Standort stärken.

Zahlen & Daten

► 246 Millionen Pakete wurden laut Branchenradar KEP-Dienste im Vorjahr in Österreich befördert.

► 1,09 Millionen Tonnen Verpackungen und Altpapier wurden von der ARA 2019 in Österreich gesammelt – ein neuer Rekord. 300.000 Tonnen Verpackungen landen pro Jahr bei der ARA. Davon stammen rund  zwei Drittel aus Handel, Gewerbe und Industrie, ein Drittel aus dem haushaltsnahen Bereich.

► 1,03 Milliarden Quadratmeter Wellpappe wurden im Vorjahr von der heimischen Wellpappe-Industrie abgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2020)