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Kreml wirbt für Verfassungsreform - mit Verweis auf Österreich

Der Kreml nimmt Österreich zum Vergleich.
Der Kreml nimmt Österreich zum Vergleich.(c) APA/AFP/ALEXANDER NEMENOV (ALEXANDER NEMENOV)
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Im Werbevideo mit einem russischen Eiskunststar muss Österreich für einen Vergleich herhalten.

Ein überraschender Verweis auf Österreich in
einem offiziösen Werbespot zum russischen Verfassungsreferendum am
1. Juli sorgt für kritische Reaktionen. Im am Montag veröffentlichen
Video eines prominenten Eiskunstläufers wird das Votum für die von
Präsident Wladimir Putin gewünschte Verfassungsreform unter anderem
mit einem Größenunterschied zwischen Österreich und Russland
begründet.

Im 45 Sekunden langen Video sind der vielfache
Eiskunstlauf-Europa- sowie Weltmeister Jewgeni Pljuschtschenko,
Gattin Jana Rudkowskaja und der siebenjährige Sohn Aleksandr zu
sehen. Letzterer steht dank der Bemühungen seiner Eltern seit
frühester Kindheit im Scheinwerferlicht und ist in Russland auch
unter seinem Spitznamen „Gnom Gnomytsch“ (Gnom und Sohn von Gnom, Anm.) bekannt.

„Das kleine Österreich"

Im Werbespot findet Aleksandr zunächst Russland auf einem Globus.
Mutter Rudkowskaja erläutert: "Schau wie groß unsere Heimat im
Vergleich zum kleinen Österreich ist! In unserem großen Land leben
wir, gehen zur Schule, erziehen Kinder und alle haben wir Rechte."
Kurz erklärt sie auch die Bedeutung der russischen Verfassung.

Über einen Vorschlag des Buben, der im Rahmen der Verfassung
gerne Freunde nach Hause einladen möchte, gelte es im Familienrat
abzustimmen, wirft Vater Pljuschtschenko schließlich ein. Keinen
Zweifel, dass die Promifamilie für die Putin'sche Verfassungsreform
eintritt, lässt eine finale Stimme aus dem Off: „Unsere Wahl ist die
Zukunft unserer Kinder“, sagt ein Sprecher, und eine Einblendung
erinnert an das Referendum am 1. Juli.

Pljuschtschenkos Werbespot ist eines von zahlreichen Videos, mit
dem derzeit für die vom Kreml forcierte Verfassungsreform Stimmung
gemacht wird. Wie in einigen anderen Beiträgen ist jedoch nicht von
jener neuen Bestimmung die Rede, die Präsident Putin im Widerspruch
zur bisherigen Verfassung die Möglichkeit verschafft, zwei weitere
Male für das Amt des Präsidenten zu kandidieren und derart bis zum
Jahr 2036 zu reagieren.

Das reiche Österreich

Neben Unmutsbekundungen über die politische Instrumentalisierung
eines Kindes, unter anderem von Oppositionspolitiker Aleksej
Nawalny, wurde in sozialen Netzwerken vor allem aber auch der nicht
weiter begründete Verweis auf das „kleine Österreich“ kritisch
hinterfragt. Die Rede war dabei insbesondere vom Wohlstandsgefälle
zwischen Österreich und Russland.

„Schau, Saschenka, unsere Heimat ist 200 Mal größer als
Österreich. Das Mindestgehalt bei uns ist aber zehn Mal geringer als
dort“, tweetete etwa der im Exil lebende Oppositionelle Michail
Chodorkowski.

(APA/red.)