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Nato

USA erwägen Ende der Afghanistan-Mission

Bei einer Videokonferenz der Nato-Verteidigungsminister wurde die Sorge vor US-Alleingängen laut.

Eigentlich sollte es bei der zweitägigen Videokonferenz der Nato-Verteidigungsminister zunächst um die Stationierung russischer Marschflugkörper gehen. Doch Washingtons Abzugspläne von US-Truppen aus Deutschland und – noch prekärer – aus Afghanistan beherrschten die Gespräche.

Just Annegret Kramp-Karrenbauer, Deutschlands Verteidigungsministerin und Noch-CDU-Chefin, setzte mit einer Spitze gegen US-Präsident Donald Trump den Ton. „Die Nato ist keine Handelsorganisation, Sicherheit keine Ware“, konterte sie dessen Kritik an den Nato-Ausgaben Berlins. „Die Nato gründet sich auf Solidarität, auf Vertrauen, auf gemeinsame Werte und Interessen.“ Sie erinnerte die Trump-Regierung an den bisher einzigen Bündnisfall nach dem 9/11-Terror, als sich zahlreiche Nato-Staaten 2001 am Afghanistan-Krieg unter US-Führung beteiligten.

Ein Überrumpelungsmanöver?

Die Afghanistan-Mission steht indessen auf dem Spiel, wie es hinter den Kulissen hieß. Demnach planen die USA vor der Präsidentenwahl im November womöglich sogar den vollständigen Abzug der US-Soldaten, was das Ende des Nato-Einsatzes bedeuten würde. Bisher war im Abkommen mit den Taliban von schrittweisem Teilabzug die Rede.

Trump hat das Pentagon mit den Abzugsplänen beauftragt, viele US-Militärs warnen vor einem abrupten Ende. Dies könnte kontraproduktiv sein, wie der überstürzte Abzug aus Vietnam 1975 zeige. Zuletzt betonte der US-Präsident bei seiner Rede an der Militärakademie in West Point, die „endlosen Kriege“ zu beenden. Der Afghanistan-Krieg ist der längste der US-Geschichte. 

Für die Nato-Partner wäre der vollständige Abzug ebenso ein Überrumpelungsmanöver wie die Verlegung von rund 10.000 US-Soldaten aus Deutschland, zum Teil eventuell nach Polen. Noch vor der Präsidentschaftswahl in Polen am 28. Juni will Staatschef Andrzej Duda im Weißen Haus bei Trump vorstellig werden. Nato-Chef Jens Stoltenberg hatte alle Mühe, die Alliierten zu beruhigen. (vier)