Schnellauswahl
Langer Atem

Happy End am Bosporus

Archiv
  • Drucken

Nach jahrelangem Streit glückt der Post nun die angestrebte Expansion in der Türkei. Der Kleinkrieg mit Familie Aras ist beendet, die Post übernimmt Aras Kargo zu 80 Prozent.

Vor ziemlich genau vier Jahren kam es zum Eklat: Post-Chef Georg Pölzl reiste in die Türkei, um die vereinbarte Übernahme des Mehrheitsanteils am türkischen Paketdienstleister Aras Kargo zu fixieren. Doch daraus wurde nichts. Die Eigentümerfamilie Aras wollte plötzlich doch nicht an ihren Viertelpartner aus Österreich verkaufen. Auch die Mitarbeiter revoltierten gegen den gefürchteten Eigentümer aus dem Ausland. Nur mit Polizeischutz schaffte es Pölzl damals an den Demonstranten vorbei in die Zentrale. Es folgten ein medialer Kleinkrieg und mehrere Gerichtsverfahren. Der Traum der Post von der großen Expansion am Bosporus rückte in weite Ferne.

Umso überraschender kam die Meldung, die das teilstaatliche Unternehmen am späten Dienstagabend in Umlauf brachte: Die Österreichische Post wird ihre Anteile an Aras Kargo von 25 auf 80 Prozent aufstocken, hieß es. Die Eigentümerfamilie Aras sei nun doch bereit, ihre Anteile an die Österreicher abzugeben. Darüber, welche Rolle die wirtschaftlich angespannte Situation aufgrund der Corona-Pandemie dabei gespielt hat, kann nur spekuliert werden. Fakt ist aber, dass die Post recht günstig davonkommen dürfte.

Viel Gegenwind aus Istanbul

Zur Erinnerung: Im Sommer 2013 präsentierte Georg Pölzl stolz den Kauf von 25 Prozent der Anteile am türkischen Unternehmen und pries dessen „enormes Wachstumspotenzial“. Der Kaufpreis lag bei 50 Millionen Euro, Aras Kargo war ein starkes Unternehmen mit über 5000 Mitarbeitern.
Drei Jahre später – so wurde damals vereinbart – sollten die Österreicher weitere 50 Prozent der Firmenanteile von der Gründungsfamilie Aras zukaufen. Und zwar zu einem Preis, der sich am Ergebnis des Jahres 2015 orientierte. Genau an diesem Punkt spießte sich der Deal aber bis zuletzt. Denn das Jahr 2015 lief für Aras Kargo nicht sonderlich gut. Die damalige Firmenchefin und Anteilsinhaberin Evrim Aras beschuldigte die Post, die Entwicklung bewusst zu bremsen, um den Kaufpreis zu drücken. Die Post dementierte das. Tatsächlich lieferte das Unternehmen 2015 aber weniger Ertrag als im Businessplan vorgesehen.

Teil der Familie bleibt an Bord

Evrim Aras wollte daraufhin, so wie auch ihre Mutter, nichts mehr von der Kaufoption der Österreicher wissen und wollte lieber ihrerseits die Anteile zurückzukaufen. „Wir fordern die Post auf, sich zurückzuziehen“, ließ sie damals ausrichten. Ihr Bruder und Miteigentümer Baran Aras hielt sich hingegen aus dem Konflikt heraus und war für den Verkauf. Kolportierte 120 Millionen Euro hätte die Österreichische Post damals auf den Tisch gelegt, um die Expansion über die Bühne zu bringen.
Nun dürfte der Kauf für deutlich weniger glücken. Die Transaktion koste „einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag“, ließ die Post in einer Aussendung wissen. Damit dürften die 55 Prozent an Aras Kargo jetzt also nicht viel mehr kosten, als die ersten 25 Prozent, die die Post 2013 übernommen hatte. Und das, obwohl das Unternehmen seither stark gewachsen ist. 150 Millionen Pakete und Dokumenten hat Aras Kargo im Vorjahr transportiert und damit 178,22 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Die Zahl der Beschäftigten hat sich seit dem Einstieg der Österreicher fast verdreifacht. Miteigentümer des Unternehmens bleibt übrigens auch Baran Aras, der sich früh auf die Seite der Post geschlagen hatte. Er wird 20 Prozent an Aras Kargo halten und im Board des Unternehmens sitzen.

Zu den strategischen Plänen des Unternehmens und der genauen Zusammensetzung des Boards könne man noch keine Auskunft geben, heißt es bei der Post auf Anfrage. Noch müsse die türkische Wettbewerbsbehörde dem Kauf zustimmen. Deren Placet werde zwar für die kommenden Wochen erwartet. Dennoch bleibe man lieber vorsichtig. Zu früh gefreut hat sich die Post in der Türkei schließlich zur Genüge.