Stresstest: Eine PR-Aktion für die Banken?

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Erleichterung in Europa: Deutlich mehr Banken als erwartet sollen den Stresstest bestanden haben, Mittwoch sind bereits Details durchgesickert. Die europäischen Finanzbehörden nahmen 91 Institute unter die Lupe.

Wien (höll). Offiziell sollen die Ergebnisse des europäischen Banken-Stresstests erst am Freitag veröffentlicht werden, doch gestern sind bereits Details durchgesickert. Das Wichtigste vorweg: Die drei österreichischen Großbanken (Bank Austria, Raiffeisen Zentralbank und Erste Bank), die kontrolliert wurden, haben die Belastungsprobe bestanden.

Die europäischen Finanzbehörden nahmen 91 Institute unter die Lupe. Dabei wurde untersucht, welche Auswirkungen ein erneuter Wirtschaftseinbruch und ein Crash von Anleihen südeuropäischer Schuldenstaaten wie Griechenland haben. Laut Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), sollen die heimischen Banken beim Test nicht schlecht abgeschnitten haben. „Sie liegen nicht im unteren Drittel“, sagte er am Mittwoch zu Journalisten: „Sie werden überrascht sein.“ Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, beriet gestern in Frankfurt mit rund 40 Bankern über die Ergebnisse des Stresstests. Aus Österreich nahm Erste-Bank-Generaldirektor Andreas Treichl teil. Er sagte vor dem Treffen, er sei „sehr sicher“, dass sein Unternehmen die Belastungsprobe bestanden habe.

Mit der Veröffentlichung der Resultate soll das Vertrauen in die Finanzbranche gestärkt werden. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Dem Vernehmen nach haben sich einige Regierungen von den nationalen Behörden vorab über die Ergebnisse informieren lassen, um auf Überraschungen rasch reagieren zu können. Aus ganz Europa kamen zuletzt aber nur positive Meldungen.
•Deutschland: Von den 14 geprüften Instituten soll nur die „Hypo Real Estate“ (HRE) durchgefallen sein. Die HRE schrammte im Herbst 2008 nur knapp an der Pleite vorbei und steht nach Milliardenhilfen vollständig im Staatsbesitz. Deutschlands Kanzlerin, Angela Merkel, sagte, sie halte das Scheitern der HRE für plausibel.

Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck, meint dagegen: „Da hat eine Art Leiche beim Test mitgemacht.“ Für Verwunderung sorgt, dass viele angeschlagene deutsche Landesbanken (wie die Bayerische Landesbank) den Test bestanden haben.

 

Entwarnung aus Griechenland

•Griechenland: Entwarnung kommt auch aus Griechenland. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou erklärte, die sechs geprüften Institute „werden den Test bestehen“. Diese Aussage überrascht, denn die Athener Institute halten viele griechische Staatsanleihen, die von Ratingagenturen als „Ramsch“ eingestuft werden.
•Italien: Laut Mario Draghi, Chef der Nationalbank in Rom, hätten die italienischen Institute nichts zu befürchten. Die Tests würden zeigen, wie gut die Finanzbranche aufgestellt sei.
•Portugal: Auch alle vier portugiesischen Institute sollen gut abgeschnitten haben. „Die Resultate unterstreichen die Robustheit des portugiesischen Bankensystems“, sagte Finanzstaatssekretär Carlos Pina in Lissabon.
•Spanien: Dort wurden gleich 27 Institute kontrolliert. Die Großbanken dürften den Test bestanden haben, nur kleinere Sparkassen sollen durchgefallen sein.

Investoren zeigen sich angesichts der Jubelmeldungen skeptisch über die Aussagekraft des Tests. „Das Ganze ist eher eine PR-Maßnahme für den Finanzsektor“, so der prominente Vermögensverwalter Jens Ehrhardt im „Handelsblatt“. Und Fondsmanager Bert Flossbach vermutet, dass es allenfalls „Bauernopfer“ geben werde, um die Glaubwürdigkeit des Tests nicht völlig infrage zu stellen.

Frankreich fordert nun, dass die für Freitagabend geplante Veröffentlichung vorgezogen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2010)