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Studie

Männer sind die besseren Techniker? Eher im Gegenteil

US-Daten zeigen: Männliche MINT- Studenten hatten schlechtere Noten.

Es ist eine alte Klage: Zu wenige Jugendliche wollen Techniker oder Naturwissenschaftler werden. Unter den Burschen sieht es noch besser aus, doch Mädchen inskribieren die entsprechenden Studien viel zu selten. Welche Qualifikationen bringen sie jeweils mit? Das hat nun eine Studie für die USA analysiert (Science, 18.6.). Joseph Cimpian und seine Kollegen nutzten die Daten von rund 6000 Studenten, die im Hauptfach Physik, Maschinenbau oder Computerwissenschaften gewählt haben, aus der High School und dem ersten Jahr am College.

Das Ergebnis: Die weiblichen Studienanfänger sind für ihr Studium besser qualifiziert, sie haben in der Mittelschule und beim Uni-Aufnahmetest im Schnitt die deutlich besseren Noten in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern. Was nicht überraschen muss: Wer bei der Studienwahl traditionelle Klischee-Hürden überwindet, interessiert sich für sein Thema wirklich und ist dafür dann wohl oft auch besser geeignet.

Die Forscher rechneten aber auch mögliche Persönlichkeitsfaktoren heraus, die erklären könnten, warum Mädchen meist andere Fächer studieren – etwa, weil ihnen Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten fehlt oder sie in jungen Jahren andere Karriereziele haben. Es zeigte sich, dass solche Faktoren die Unterschiede in der Zahl der Inskriptionen bei guten Schülerinnen fast zur Gänze erklären, bei mittleren oder schlechten aber nur zu einem geringen Teil. Daraus schließen die Forscher: Nur für die Studienwahl der leistungsstarken Mädchen wirken die oft geforderten Anreize wie erfolgreiche Vorbilder oder der Aufbau von Netzwerken von Frauen. (gau)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2020)