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Reichtum

Vermögen steigen ab jetzt langsamer

Seit 2009 wuchs das globale Finanzvermögen von 125 auf 226 Billionen Dollar.

Wien. Privatanleger aus aller Welt saßen Ende des Vorjahres auf einem Finanzvermögen von 226,4 Billionen Dollar. Das geht es aus einer BCG-Studie hervor (Global Wealth Report 2020). In die Studie flossen Bankkonten, Aktien, Anleihen, Fonds und Lebensversicherungen ein, nicht jedoch Immobilien oder Wertgegenstände wie Gold, Kunstwerke etc. Gegenüber 2018 ist das globale Finanzvermögen währungsbereinigt um 9,6 Prozent gestiegen. Im Jahr davor – Ende 2018 waren die Börsen deutlich eingebrochen – war es mit 1,6 Prozent kaum gewachsen. Und heuer könnte die Corona-Krise das Wachstum überhaupt zum Stillstand bringen. Denn die Börsen haben seit Mitte Februar tief nachgegeben, obwohl sie einen Teil der Verluste inzwischen wieder wettgemacht haben. Das Vorjahr war hingegen ungebrochen gut.

„Der Haupttreiber für den deutlichen Zuwachs an weltweitem Privatvermögen war die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten“, analysiert Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin und Autorin der Studie. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das persönliche Finanzvermögen weltweit fast verdreifacht.

Der relativ größte Anteil des globalen Finanzvermögens – 94,2 Billionen Dollar – befindet sich in den Händen von US-Amerikanern, gefolgt von China (23,8 Billionen), Japan (17,6 Billionen) und Großbritannien (9,7 Billionen). Mehr als die Hälfte (51 Prozent) des gesamten Finanzvermögens weltweit wird von Millionären gehalten.

Das Finanzvermögen der Österreicher ist von 2018 auf 2019 währungsbereinigt um sieben Prozent auf 900 Mrd. Dollar gestiegen. Die Österreicher halten der Studie zufolge 33 Prozent ihres Vermögens in Aktien und Investmentfonds. Damit liegen sie acht Prozentpunkte über dem Durchschnitt Westeuropas. „Entgegen der vorherrschenden Meinung zeigt sich, dass die Österreicher dem Aktienmarkt gegenüber aufgeschlossen sind“, sagt Zakrzewski. Dennoch wird nach wie vor mit 41 Prozent der größte Anteil des Privatvermögens in Spareinlagen oder Bargeld gehalten. Das sind elf Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt in Westeuropa. Dafür investieren die Österreicher weniger in Pensionsvorsorgen und Lebensversicherungen.

 

Schrumpft Vermögen heuer?

In den nächsten Jahren müssen sich die Anleger sowohl weltweit als auch in Österreich auf geringere Vermögenszuwächse einstellen. Von 2009 bis 2019 betrug das jährliche Vermögenswachstum 6,2 Prozent. In den zehn Jahren davor – und in diese Phase fallen immerhin zwei schwere Krisen – belief sich der jährliche Zuwachs auf 4,5 Prozent. Im laufenden Jahr könnten die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie die Vermögen sogar schrumpfen lassen.

Bis 2024 rechnen die BCG-Experten mit einen jährlichen Wachstum zwischen 1,4 und 4,5 Prozent. Damit würden selbst im optimistischsten Szenario die Zuwachsraten des vergangenen Jahrzehnts nicht erreicht werden. Prognosen aus dem Jahr 2019 hatten noch ein jährliches Wachstum von weltweit 5,7 Prozent und in Österreich von 4,5 Prozent gezeigt. Nun werde das Vermögen der Österreicher im besten Fall um 3,7 Prozent pro Jahr steigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2020)