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US-Notenbank warnt vor Risiken: Wall Street auf Talfahrt

Ben Bernanke
(c) AP (Richard Drew)
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Mit ungewöhnlich mahnenden Worten hat Fed-Chef Bernanke für einen Kurssturz an den Börsen gesorgt. Zu wenige Jobs seien neu geschaffen worden. Dadurch verringere sich der Konsum. Der Euro geriet unter Druck.

Aussagen des US-Notenbankchefs Ben Bernanke über einen ungewöhnlich unsicheren Ausblick für die Wirtschaft des Landes haben US-Aktien am Mittwoch tief ins Minus gedrückt. Die Börse reagierte besorgt auf eine Andeutung Bernankes, die Federal Reserve (Fed) greife wegen der trägen Erholung möglicherweise zu neuen geldpolitischen Maßnahmen. Anleger flüchteten darauf in US-Dollar und Anleihen, die als "sichere Häfen" gelten.

Der Dow Jones Industrial verlor 1,07 Prozent auf 10.120,53 Punkte, nachdem er unmittelbar vor der Rede mit knapp 10.250 Punkten noch leicht im Plus gelegen hatte. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 1,28 Prozent auf 1.069,59 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq rutschte der Composite-Index um 1,58 Prozent ab auf 2.187,33 Punkte. Der Nasdaq-100-Index sackte um 1,27 Prozent ab auf 1.817,30 Punkte. Der Euro geriet nach der Bernanke-Rede ebenfalls unter Druck und rutschte bis auf 1,2734 US-Dollar ab, bevor er sich zuletzt wieder leicht erholte.

Zu wenige neue Jobs - Konsum gefährdet

Der Fed-Präsident hatte in seiner Rede vor dem US-Senat am Mittwoch von großen Risiken für das Wachstum gesprochen. Sorgen bereite insbesondere die zögerliche Erholung des Arbeitsmarktes. Im ersten Halbjahr diese Jahres seien weniger neue Jobs geschaffen wurden als für eine nachhaltige Erholung notwendig gewesen wäre. "Sehr wahrscheinlich wird es viel Zeit brauchen, die fast 8,5 Millionen Arbeitsplätze wieder aufzubauen, die in 2008 und 2009 verloren gingen", sagte Bernanke. Die zunehmende Langzeit-Arbeitslosigkeit könne dem privaten Konsum schaden und zu einem Verlust qualifizierter Fachkräfte führen.

Darüber hinaus sei der Häusermarkt nach wie vor schwach, das Überangebot an Immobilien belaste die Preise. Zudem nannte Bernanke die europäische Schuldenkrise als großen Unsicherheitsfaktor.

Konkrete neue Schritte zur Stützung nannte Bernanke in dem halbjährlichen Konjunkturbericht jedoch nicht. Zudem unterstrich er, dass die Notenbank auf der anderen Seite weiter plane, Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft auslaufen zu lassen, die während der Finanzkrise ergriffen wurden.

Nullzinspolitik bleibt bestehen

Wegen des konjunkturellen Gegenwindes sei es notwendig, bei der Nullzinspolitik zu bleiben, bekräftigte Bernanke. Der Leitzins werde noch für einen "längeren Zeitraum" sehr niedrig sein. Allerdings müsse ab einem gewissen Zeitpunkt über Zinserhöhungen nachgedacht werden, um Inflationsgefahren zu vermeiden.

Unabhängig von diesen Risiken sei die Erholung der US-Wirtschaft insgesamt auf einem guten Weg, weil unter anderem der private Konsum, Exporte und Investitionen der Unternehmen zugenommen hätten. So sei für 2010 mit einem Plus zwischen 3 und 3,5 Prozent zu rechnen und in den beiden Jahren danach mit 3,5 bis 4,5 Prozent.

(APA/dpa)