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Mein Samstag

Hörspiel in Endlosschleife

Wir sind aktuell bitte so was von im Hörspielfieber, das Kind hört „Die drei !!!“ rauf und runter. Nein, ich habe mich da satzzeichentechnisch nicht vertan, bei den „drei !!!“ handelt es sich um die Mädchenvariante der „drei ???“.

Während Letztere – Peter, Justus und der Dritte, den ich immer vergesse – seit einer Ewigkeit ermitteln (was man den Sprechern, die ihnen seit mehr als 40 Jahren ihre Stimmen leihen, durchaus anhört), sind „Die drei !!!“ jünger, peppiger und wie man an den Episodennamen wie „Die Handyfalle“ erkennt, mit zeitgemäßen Themen beschäftigt.

Viel mehr kann ich Ihnen nicht berichten, denn ich drifte bei Hörspielen sofort gedanklich ab und kann überhaupt nicht zuhören. Liege ich am Sofa, kippe ich praktisch binnen Sekunden in ein herrliches Nachmittagsschläfchen, aus dem ich erst wieder erwache, wenn das Kind am Ende der Folge etwas sagt wie: „Es wurde gar nicht aufgeklärt, woher die seltsamen Stimmen gekommen sind.“ „Stimmt“, sage ich und habe keine Ahnung, was das Kind meint. „Du bist jetzt nicht ernsthaft schon wieder eingeschlafen?“, fragt das Kind dann empört, um sich gleich wieder in die Hörspielendlosschleife zu begeben. Was ich aber mitbekommen habe: Wie in anderen Kinderserien auch wird die Polizei als eher sehr unfähig dargestellt, auch Journalisten haben in Kinderserien oft ein zweifelhaftes Image. Sehr oft treten sie in großen Gruppen auf und fotografieren mit Blitzlichtgewitter alles nieder. Dennoch hat mir Karla Kolumna, die rasende Reporterin bei Benjamin Blümchen, seinerzeit dabei geholfen, dem Kind meinen Beruf zu erklären. Auch wenn ich weder mit einem fetzigen Moped durch die Stadt fahre noch beim „Bürgermeisterchen“ ein und aus gehe (und ihn auch nicht so anrede) wie die Karla. Mit etwa drei Jahren fasste das Kind, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich einen beruflichen Termin bei der Polizei habe, meinen Beruf so zusammen: „Du liest viel Zeitung, und jetzt musst du zur Polizei.“ Hin und wieder schreibe ich auch über Hörspiele, bei denen ich einschlafe. Wirklich kein schlechter Job, den Karla Kolumna und ich so haben.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2020)