ADer Ellbogen-Check als Alternative zur Umarmung: In der Coronakrise wurde man kreativ.
Begrüßungsrituale

Namasté oder Bussi: Der Gruß nach dem Lockdown

Corona hat etablierte Begrüßungsrituale auf den Kopf gestellt. Manche kehren zurück, andere bleiben verpönt. Von besonderen Umarmungen, Corona-Knigge und Namasté.

Zu Beginn ging alles sehr schnell: Aus der Umarmung wurde der Ellbogen-Check, aus dem Bussi der Luftkuss, aus dem Händedruck ein Winken. Spätestens als Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor laufender Kamera zu einem asiatischen Namasté-Gruß aufrief, war klar: So wie bisher geht es nicht weiter. Und plötzlich wurde aus einer zuvor vertrauten Begrüßung ein potenziell gefährlicher Akt. Zu Menschen, die man ein paar Tage zuvor noch umarmt hatte, musste nun Distanz gewahrt werden. So schlimm war es dann doch nicht, denn die meiste Zeit sah man einander ohnehin nur über den Bildschirm.

Dann war die verordnete Isolation zu Ende. Doch mit dem Wiedersehen von Freunden und Bekannten schlich sich ein vielleicht nicht ganz so dramatisches, aber doch wiederkehrendes Dilemma ein: die angemessene Begrüßung. Ist nun alles wieder beim Alten? Überwiegt die Freude des Wiedersehens oder die eingebläute Vorsicht? Sind Umarmungen, Bussi-Bussi und Handshake passé?

Bei vielen passierte es graduell. Man traf sich zuerst zaghaft mit einigen Auserwählten, zu Beginn noch auf Abstand, dann wurden die Gruppen größer und die Hemmungen geringer. Hört man sich ein bisschen um, lassen sich die meisten eine herzliche Begrüßung bei Familienmitgliedern und engen Freunden mittlerweile nicht mehr nehmen. „Ich umarme und küsse wieder wie vorher“, sagt etwa Lukas G. „Am Anfang war es sehr komisch. Ich glaube, bei vielen meiner Freunde ist dieses Gefühl immer noch da.“ Die Begrüßungsrituale müssten bei jedem Einzelnen wieder neu etabliert werden, meint er.