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Warum Osuruk, Scorreggia und Prd doch dasselbe sind

Körpergeräusche werden oft onomatopoetisch gebildet, nur klingt das überall ein bisschen anders.

In den vergangenen Tagen hat es ein Körpergeräusch von Wien aus in die ganze Welt geschafft: Ein Mann soll 500 Euro Strafe zahlen, weil er – angeblich absichtlich – vor Polizeibeamten gefurzt hat. Mit dem Fall, der weltweit medial zerlegt wurde, wollen wir uns aber gar nicht länger befassen. Viel interessanter ist, wie in anderen Sprachen darüber gesprochen wird. Nun, im englischsprachigen Raum hörte man vom „fart“, in Italien vom „Scorreggia“ und wenn sich Tschechen oder Slowaken darüber unterhielten, verwendeten sie den Begriff „Prd“. Was all diese Begriffe gemeinsam haben? Dass sie wohl onomatopoetisch gebildet wurden, das Wort also lautmalerisch das Geräusch wiederzugeben versucht. (Ob das türkische Äquivalent „Osuruk“ wohl auch so entstanden ist? Kann jemand weiterhelfen?) Interessant ist aber, dass ein und dasselbe Geräusch in anderen Sprachen doch ganz unterschiedlich klingt.

Dass Körpergeräusche polyglotte Alleskönner sein können, ist aber gar nicht so ungewöhnlich. Denken wir ans Niesen, das auf Deutsch nach „Hatschi“ klingt, während der Franzose „atchoum“, der Italiener „eccì“ und der Japaner „hakushon“ niest. Aber zurück zum Ursprung, denn selbst das Deutsche kennt zahlreiche (teils lautmalerische) Synonyme für die Blähung, im Österreichischen Wörterbuch findet sich neben Darmwind und Furz auch der (derbe) Schas (inklusive der Redewendung „das geht dich einen Schas an“), im Duden stehen auch Pup und Pups. Und gräbt man noch tiefer, stößt man etwa in Kluges etymologischem Wörterbuch auch auf den Pimpf – der Begriff für einen Halbwüchsigen bedeutete ursprünglich nämlich „kleiner Furz“, im Gegensatz zum (großen) Pumpf.

Spannend jedenfalls, was sich sprachlich aus so einem Vorfall entdecken lässt. Damit genug für heute. Und keine Angst – es folgt keine billige Schlusspointe.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2020)