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Epidemie

Unruhige Corona-Lage in Österreich

Wien Burggarten
Das Leben hat sich wieder etwas normalisiert. Ein Schein, der trügt?Die Presse/Roßboth
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Die Situation in Österreich ist zwar immer noch stabil, ein leichter Anstieg und Clusterbildungen lassen die Lage derzeit aber nicht ganz so entspannt wirken.

Während international bei der Ausbreitung der Corona-Pandemie Rekordzuwächse verzeichnet werden - hauptbetroffen sind aktuell Nord- und Südamerika - zählt Österreich weiterhin nur einige hundert Erkrankte. Dennoch mahnt Gesundheitsminister Rudi Anschober am Montag wieder einmal zur Vorsicht: „In Österreich ist die Lage wie seit Wochen stabil, aber nun etwas unruhiger.“ Das zeige sich durch einen leichten Anstieg der aktiv-Erkrankten, aber auch in Form einzelner Clusterbildungen.”

Konkret mussten in den vergangenen 24 Stunden 38 Neuinfektionen verzeichnet werden. Das sind 14 Prozent mehr im Vergleich zum Stichtag vor einer Woche. Dem stehen 44 neu-Genesene gegenüber. Dadurch konnte die Zahl der aktiv-Erkrankten erstmals wieder leicht auf 449 abgesenkt werden. Weiter im Sinken ist die Zahl der Erkrankten in Krankenhäusern (minus 12 Prozent seit der Vorwoche) und die Zahl der in Intensivbehandlung befindlichen Erkrankten (minus 33 Prozent). So sind derzeit nur 10 Personen auf einer Intensivstation.

Gesundheitsminister Anschober appellierte daher neuerlich an die Bevölkerung, jetzt nicht sorglos zu werden: „Wir müssen jetzt weiterhin achtsam und verantwortungsvoll bleiben. Das Virus ist nach wie vor unter uns, es hat nichts von seiner Gefährlichkeit verloren und kann jederzeit in einem größeren Stil wieder ausbrechen.”

Bewiesen wurde das etwa durch einen aufgetretenen Cluster in Salzburg, wo sich bei einer Veranstaltung mehr als die Hälfte der Teilnehmer infizierten.

Täglich 20 neue Fälle in Wien

Auch in Wien warnten Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und Spitalsvertreter am Montag, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei. Denn täglich werden im Durchschnitt rund 20 Neuerkrankungen registriert, wie Michael Binder, der medizinische Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes, in der Pressekonferenz berichtete. "Die Erkrankung ist weiterhin vorhanden", versicherte er. Und auch wenn es in Wien und in Österreich zuletzt einen Rückgang bei den aktuellen Fällen gegeben habe, könne sich dieser Trend - wie man an internationale Beispielen gesehen habe - auch wieder umkehren.

Man sei jedoch gut vorbereitet, die Pandemielager seien gefüllt, beteuerte Binder. Auch Gesundheitsstadtrat Hacker hielt fest, dass die Pandemie "zweifelsohne" nicht vorbei sei. Er sei sich jedoch nicht sicher, ob es eine "zweite Welle" sein werde. "Der Begriff strahlt so etwas Machtloses aus", befand er. Tatsächlich könne man aber mit Maßnahmen gegenwirken.

Gleichzeitig warnte er davor, einen Statistik-Wettbewerb zu führen, wer die wenigsten Fälle habe. Dies könne ein Schuss in die "Achillessehne" werden. Natürlich habe man keine Erkrankungen, wenn man keine Tests mache, gab der Stadtrat zu bedenken. Wien hat stets betont, dass man durch systematische Testungen auch viele nicht symptomatische Fälle entdeckt hat. Die Stadt heftet sich etwa auf die Fahnen, den sogenannten „Post-Cluster" maßgeblich aufgedeckt zu haben. Betroffen waren zahlreiche Leiharbeiter, die in Post-Verteilzentren in Niederösterreich und Wien beschäftigt waren.

(red./APA)